Alter­na­tive zu Ebay und Ama­zon: Online-Markt­platz ‚fairno­poly‘

Mit der Grün­dung der Fairno­poly eG im Jahr 2012 star­tete der Ver­such, einen Online-Markt­platz neuen Typs und gleich­zei­tig eine ganz neue Art Unter­neh­men zu eta­blie­ren. Wir nen­nen ihn Genos­sen­schaft 2.0.

Basie­rend auf der bestehen­den Rechts­form „ein­ge­tra­gene Genos­sen­schaft“ wer­den bei fairno­poly eine von ethi­schen Grund­prin­zi­pien in der Sat­zung garan­tiert. Dazu gehört u.a. die Fest­le­gung einer maxi­ma­len Gehalts­spanne: Das höchste gezahlte Gehalt darf nicht mehr als das Drei­fa­che des nied­rigs­ten betra­gen. Um eine offene, par­ti­zi­pa­tive und mensch­li­che Kul­tur im Unter­neh­men sicher­zu­stel­len, wird die Geschäfts­füh­rung durch die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter gewählt. Der Bei­tritt zur Genos­sen­schaft, und damit die Mög­lich­keit zur demo-kra­ti­schen Kon­trolle, ist für alle offen, die von den Akti­vi­tä­ten des Unter­neh­mens betrof­fen sind. Und damit demo­kra­ti­sche Ver­ant­wort­lich­keit wirk­lich mög­lich ist, garan­tiert die Sat­zung eine Ver­pflich­tung zu kon­se­quen­ter Trans­pa­renz.

Als ers­ten Anwen­dungs­fall für die­sen Unter­neh­mens­typ haben wir einen schwie­ri­gen, aber wich­ti­gen Markt gewählt: Fairno­poly ist ein Online-Markt­platz, der eine faire Alter­na­tive zu den Markt­rie­sen Ebay und Ama­zon bie­ten soll. Wenn es gelingt, sich gegen diese stark auf Markt­macht aus­ge­rich­te­ten Kon­zerne durch­zu­set­zen, wird das zur Grün­dung vie­ler wei­te­rer Genos­sen­schaf­ten 2.0 ermu­ti­gen.

Seit Sep­tem­ber 2013 ist der Markt­platz online. Was ver­kauft wer­den kann, legen wir nicht fest. Es hat sich aber erge­ben, dass auf dem Markt­platz mitt­ler­weile die meis­ten in Deutsch­land erhält­li­chen Bücher zu fin­den sind. Men­schen, die Bücher online kau­fen möch­ten, kön­nen das also von jetzt an bei Fairno­poly tun – und so zum Auf­bau des Unter­neh­mens bei­tra­gen.

Als Markt­platz soll Fairno­poly ver­ant­wor­tungs­vol­len Kon­sum dort för­dern, wo die Men­schen ein­kau­fen. Auf der Platt­form gibt es keine blin­ken­den Wer­be­an­zei­gen, statt des­sen wer­den Infor­ma­tio­nen zur Nach­hal­tig­keit von Pro­duk­ten ein­ge­bun­den. Über eine sim­ple Fil­terfunk­tion kön­nen sich die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer faire, öko­lo­gi­sch pro­du­zierte oder gebrauchte Pro­dukte her­aus­fil­tern. Zugleich bie­tet Fairno­poly gerade klei­ne­ren Händ­lern und Pro­du­zen­ten die Mög­lich­keit, sich in die Genos­sen­schaft ein­zu­brin­gen und ihren Markt­platz mit­zu­ge­stal­ten. Für die Zukunft ist anvi­siert, auch für lokale und sta­tio­näre Händ­ler eine Platt­form zu bie­ten, mit der sie sich gemein­sam der Über­macht der gro­ßen Online-Händ­ler ent­ge­gen­stel­len kön­nen.

Ein zen­tra­ler Aspekt des Pro­jekts ist der Ver­zicht auf große Inves­to­ren. Fairno­poly soll zei­gen, dass es mög­lich ist, gemein­sam mit dem Ein­satz vie­ler ein gro­ßes Unter­neh­men auf­zu­bauen, das nicht von den Inter­es­sen eini­ger weni­ger domi­niert wird. Um wirk­lich viele Men­schen mit ins Boot zu holen, ist die Min­dest­be­tei­li­gung mit einem Anteil von 50 Euro mög­lichst nied­rig gesetzt. Zugleich ist maxi­male Betei­li­gung nach oben gede­ckelt: Maxi­mal 10.000 Euro kön­nen pro Per­son inves­tiert wer­den – um sicher­zu­stel­len, das Fairno­poly wirk­lich Vie­len gehört. Über ein spe­zi­el­les Punk­te­sys­tem ist es zudem mög­lich, auch Arbeits­zeit in das Unter­neh­men zu inves­tie­ren. So wird es mög­lich, dass sich viele Men­schen für die Grün­dung des Unter­neh­mens ein­set­zen, auch wenn sie gerade kein Geld übrig haben, das sie inves­tie­ren möch­ten.

Darin liegt auch der Kern der Stra­te­gie hin­ter Fairno­poly: Durch die Ein­bin­dung vie­ler Men­schen als Besit­ze­rin­nen und Besit­zer des Unter­neh­mens schaf­fen wir ein unbeug­sa­mes Rück­grat, das gegen­über her­kömm­li­chen Unter­neh­men einen ent­schei­den­den Markt­vor­teil bie­tet. Wenn eine breite Zahl von Men­schen das Unter­neh­men besitzt und mit­ge­stal­tet, müs­sen wir letzt­lich weni­ger Res­sour­cen für Wer­bung und künst­li­che Kun­den-bin­dung ein­set­zen. Als kon­se­quent fai­res Unter­neh­men kön­nen wir zudem mit einer gro­ßen Zahl bestehen­der Netz­werke und Initia­ti­ven zusam­men-arbei­ten, die sich für eine nach­hal­ti­gere, demo­kra­ti­schere Wirt­schaft ein­set­zen. Bereits heute sind weit über 1000 Men­schen aus dem gan­zen Land in die Genos­sen­schaft ein­ge­stie­gen, hun­derte brin­gen sich aktiv in die Ver­brei­tung ein. Es bie­ten sich täg­lich so viele neue Koope­ra­ti­ons-mög­lich­kei­ten, das wir kaum hin­ter­her­kom­men, ihnen nach­zu­ge­hen.

Wir wis­sen dabei, dass wir uns ein rie­si­ges Pro­jekt vor­ge­nom­men haben. Wir muss­ten bereits einige Schwie­rig­kei­ten über­ste­hen und wir sind sicher, es wer­den wei­tere kom­men. Doch das ist viel­leicht gerade das Schönste an die­sem Pro­jekt: Immer wie­der, gerade auch in schwie­ri­gen Momen­ten, sto­ßen wir auf die Unter­stüt­zung vie­ler Men­schen. Es ist eine große Freude zu spü­ren, dass wir ein Teil von der Bewe­gung sind, mit der wir gemein­sam unauf­halt­sam mehr Mensch­lich­keit und Demo­kra­tie in unsere Wirt­schaft brin­gen.

Ein Bericht von Felix Werth, Fairno­poly eG
www.fairnopoly.de

Ein Bei­trag aus dem „Wan­delsblatt“, das als mit­ge­druckte Bei­lage in der taz.die tages­zei­tung  am 14. März erschien. Den Inhalt fin­det ihr hier:

> Lokale Finan­zie­run­gen für die Soziale Soli­da­ri­sche Öko­no­mie in Europa
> Edi­to­rial „Es ist eine große Freude zu spü­ren, dass wir ein Teil der Bewe­gung sind…“
> 2000 Fran­ken für die Gemein­wirt­schaft
> Alter­na­tive zu Ebay und Amazon/ Online-Markt­platz kon­se­quent trans­pa­rent
> Die 7-it eG, Die Oya Medien eG und die sinn­werk­statt Medi­en­agen­tur GmbH.
> Glo­bale Alli­anz der „Guten Ban­ken“
> Soli­da­ri­sch gesund statt kran­ker Kasse
> Eine gute Idee braucht Bewe­gung
> Auf dem Weg zu einer neuen Ökonomie/ Gemein­wohl-Werte zäh­len

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