Bie­nen in Stadt und Land

Im ver­gan­ge­nen Jahr wurde am Landge­richt Des­sau in zwei­ter Instanz ein kla­res Urteil gespro­chen. Die an den ers­ten son­nigen Tagen im Jahr mit dem Ausschwär­men der sich erleich­tern­den Bie­nen vom Him­mel fal­len­den Kot­tröpf­chen seien von den kla­gen­den Besit­zern des betrof­fe­nen Daches und der befleck­ten Pool­ab­de­ckung zu dul­den.

Hät­ten die Anwälte unse­rer Nach­barn ihre For­de­run­gen einer teu­ren Hand­rei­ni­gung der tan­nen­grü­nen Dach­zie­gel durch­set­zen kön­nen, würde das Imkern im Umfeld der in den Dör­fern nun­mehr weit ver­brei­te­ten dun­kel gla­sier­ten Eindeckun­gen zum ris­kan­ten Ver­gnü­gen. Die Fra­gen der Rich­ter an die Klä­ge­rin umkrei­sen den neu zu bestim­men­den Begriff der Orts­üb­lich­keit: „Gibt es in ihrem Dorf Obstbäume?“„Ja.“ Ein lei­ses Lächeln der Juris­tin. „Haben sie Blu­men? „Nein.“ Wie wer­den die zukünf­ti­gen Ant­wor­ten in der All­ge­gen­wart von Zier­ra­sen, Koni­fe­ren und Koi-Tei­chen lau­ten?

In Ber­lin ist die Imke­rei jeden­falls orts­üblich. Im Spree­athen tum­meln sich die meis­ten Imker im Land, neu­er­dings ste­hen dort Bie­nen­kis­ten auf Dächern und Balko­nen. Auch wenn es den hip­pen Jun­gim­kern sel­ten um eine hohe Aus­beute geht, sie ern­ten oft mehr und weni­ger belas­te­ten Honig, als die ver­ein­sam­ten Bie­nen­vä­ter auf dem Land. Dort haben die noch bis zur Wende von den Bau­ern umwor­be­nen flei­ßi­gen Bestäu­ber in den wild­kraut­freien Wei­ten industri­eller Land­wirt­schaft nichts mehr zu suchen. Für die tag­aus tag­ein Gift sprü­hen­den Lohn­un­ter­neh­men wäre es sicher ein Segen, gäbe es keine Bie­nen mehr. Denn ver­feh­len sie die gute fach­li­che Pra­xis, fällt neben den vie­len gefähr­de­ten Insek­ten­ar­ten allein der Ver­lust von Bie­nen ins Gewicht.

Max Baumann/ Text & Foto www.immenwohl.de

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