Fes­ti­val der soli­da­ri­sch Wirt­schaf­ten­den

Unter dem Motto »Trotz­dem!« wird der­zeit in Halle über Alter­na­ti­ven zur herr­schen­den Kapi­tal­lo­gik dis­ku­tiert. Das umfang­rei­che Pro­gramm soll dazu bei­tra­gen, alter­na­tive Initia­ti­ven in der Stadt zu ver­net­zen, deren poli­ti­sche Ansätze sicht­bar zu machen und Impulse zu geben. 

Die betei­lig­ten Initia­ti­ven, unter ihnen ATTAC Halle, die Genos­sen­schaft »Halle im Wan­del«, »Tran­si­tion Town«, Pro­jekte der soli­da­ri­schen Land­wirt­schaft, wol­len mit­ein­an­der und mit vie­len ande­ren ins Gespräch kom­men und über kon­krete For­men eines soli­da­ri­schen Zusam­men­le­bens nach­den­ken. Ein ähn­li­ches Fes­ti­val gab es im ver­gan­ge­nen Jahr bereits in Mün­chen.

Cola-Kol­lek­tiv aus Ham­burg zu Gast

Den Auf­takt in Halle bil­dete am Don­ners­tag ein Vor­trag zum Pro­jekt »Pre­mium-Cola«, einem selbst­ver­wal­te­ten, kol­lek­ti­ven Geträn­ke­her­stel­ler aus Ham­burg. Am Frei­tag abend wurde der Umgang mit Kon­flik­ten dis­ku­tiert, die Pro­jekte läh­men oder gar zum Schei­tern brin­gen kön­nen. Am Wochen­ende gaben viele Ein­rich­tun­gen Ein­blick in ihre Arbeit, so die Selbst­hil­fe­werk­statt »Eigen­bau­kom­bi­nat«, die Hal­le­schen Food­co­ops und Initia­ti­ven der soli­da­ri­schen Land­wirt­schaft. Außer dem gab es eine Rad­tour zu Hal­les »urba­nen Gär­ten«, einen Work­shop für Lehm­bau.

Grund­ein­kom­men den­ken

In einer Ver­an­stal­tung mit dem Sozi­al­wis­sen­schaft­ler und Autor Ulrich Schacht­schnei­der unter dem Titel »Das Grund­ein­kom­men sozial-öko­lo­gi­sch den­ken« wurde über die Mög­lich­kei­ten nach­ge­dacht, die eine nicht an Bedin­gun­gen geknüpfte Absi­che­rung für einen sozial-öko­lo­gi­sche gesell­schaft­li­chen Umbau bie­ten könnte.

Sind Nischen zu bequem?

Auch Kri­tik hatte Platz auf dem Fes­ti­val. Die Teil­neh­mer der vom Team der Zeit­schrift Oya betreu­ten Schreib­werk­statt etwa frag­ten sich, ob es sich man­cher nicht in sei­ner Nische allzu bequem macht und so zur Erhal­tung des untrag­ba­ren Zustands der Gesamt­ge­sell­schaft bei­trägt. Oder ob und wie es sich ver­hin­dern lässt, dass ursprüng­lich soli­da­ri­sch gedachte Pro­jekte im Laufe der Zeit auf­grund öko­no­mi­scher Zwänge an Selbst­aus­beu­tung kaputt­ge­hen. Aber auch in der Ver­mark­tung von öko­lo­gi­schen Lebens­sti­len wür­den Wider­sprü­che deut­lich, mein­ten Teil­neh­mer der Werk­statt. Auf dem Fes­ti­val sol­len gene­rell Räume geschaf­fen wer­den, die eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung beför­dern, denn viele soge­nannte Nach­hal­tig­keits­kon­zepte sind im Cha­rak­ter wider­sprüch­lich und stel­len häu­fig keine echte Alter­na­tive zur Kapi­tal­lo­gik dar.

Museum des Schei­terns

Und so wer­den auf dem Fes­ti­val in einem »Museum des Schei­terns« auch Pro­jekte vor­ge­stellt, die nicht gelun­gen sind und been­det wur­den. Neben einem »Markt der Mög­lich­kei­ten«, der als »Ver­net­zungs­raum« Inter­es­sier­ten For­men des soli­da­ri­schen Wirt­schaf­tens näher­brin­gen soll, wird es auf dem Fes­ti­val bis zum 23. Okto­ber Work­shops unter ande­rem zu »com­mons«, Vor­träge zum »Post­wachs­tum« und zum »grü­nen Kapi­ta­lis­mus« geben. In der Thea­ter­auf­füh­rung »Geld – Das Stück zum Schein« wird ein kri­ti­scher Blick auf das Finanz­sys­tem gewor­fen. Zudem sind wei­tere Stadt­rund­gänge und Fahr­rad­tou­ren geplant.

Trotz der herr­schen­den Bedin­gun­gen sol­len mit den Ver­an­stal­tun­gen Selbst­ver­ant­wor­tung und die Schaf­fung von sozia­len und öko­lo­gi­schen Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen in kon­kre­ten Vor­ha­ben geför­dert wer­den.

 

Jenny Weber

erschie­nen in der „Jun­gen Welt“ vom 17.Oktober 2016

trotzdem-festival.de

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