140312 Hufeisensee Streifinger III

Nach­den­ken über den Huf­ei­sen­see

Der Huf­ei­sen­see im Osten der Stadt Halle (Saale) bedarf eines wis­sen­schaft­li­chen Gesamt­kon­zep­tes, wel­ches die Belange des Umwelt-, Natur- und Land­schafts­schut­zes, des Tou­ris­mus und der Nah­erho­lung, des Spor­tes sowie der Land- und Forst­wirt­schaft unter­sucht und zuein­an­der abwägt. Genau in diese Rich­tung wirkt der heu­tige Arbeits­kreis Hal­le­sche Auen­wäl­der zu Halle (Saale) e.V. (AHA) bereits seit dem Jahr 1983. Der damals in Büsch­dorf gegrün­dete und von Jür­gen Bernt-Bärtl einst gelei­tete Arbeits­kreis Umwelt­schutz Halle (AKUS) in der Gesell­schaft für Natur und Umwelt der DDR im Kul­tur­bund der DDR ent­wi­ckelte kon­zep­tio­nelle Vor­schläge und führte vor Ort Arbeits­ein­sätze durch. Der AHA legte zudem dem Fach­be­reich Geo­gra­fie der Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Halle-Wit­ten­berg einen am 11.06.2001 erstell­ten „Rah­men­plan zur Erstel­lung einer Nut­zungs- und Ent­wick­lungs­kon­zep­tion für den Huf­ei­sen­see in Halle (Saale)“ vor, um ggf. im Rah­men einer Diplom-, Beleg- oder Prak­ti­kums­ar­beit eine wis­sen­schaft­li­che Gesamt­be­ar­bei­tung unter Zusam­men­füh­rung bestehen­der Doku­men­ta­tio­nen und neuer Erfas­sun­gen zu errei­chen. Lei­der ist das Vor­ha­ben noch nicht von dem gewünsch­ten Erfolg gekrönt, was aber kei­nes­falls etwas an der Dring­lich­keit im Inter­esse des Huf­ei­sen­sees ändert.

Der AHA hält es eben­falls für erfor­der­lich den räum­li­chen und öko­lo­gi­schen Zusam­men­hang zur Reide zu fes­ti­gen und zu ver­tie­fen. Mit dem Über­lauf vom Huf­ei­sen­see zur Reide ist der erste Schritt getan. Der AHA betrach­tet daher mit sehr gro­ßer Sorge, dass die Stadt Halle (Saale) den Huf­ei­sen­see ein­sei­tig als Tou­ris­ten- und Was­ser­sport­zen­trum aus­rich­ten möchte. Ins­be­son­dere die Errich­tung eines 27-Loch-Golf­plat­zes mit 100-Bet­ten-Golf­ho­tels sowie wei­te­rer Neben­an­la­gen sowie der damit ver­bun­de­nen Ein­be­zie­hung der geschlos­se­nen Müll­de­po­nie Kanena und land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen ruft beson­ders große Besorg­nis her­vor. Ebenso besorg­nis­er­re­gend sieht es der AHA an, dass will­kür­lich eine räum­li­che und bau­li­che Aus­deh­nung der Was­ser­sport­an­la­gen auf die Land­zunge im Mit­tel­be­reich des Huf­ei­sen­sees erfolgt, wel­ches eine wei­tere Ver­bau­ung die­ses bis­her weit­ge­hend unver­bau­ten Land­schaftsstei­les hat. Fer­ner sind wei­tere Ver­bau­un­gen im Umfeld des Huf­ei­sen­sees zu ver­hin­dern. Bereits mit der Errich­tung der Ost­tan­gente sind mas­sive Ver­bau­un­gen und Zer­schnei­dun­gen erfolgt.

Die gegen­wär­tig bestehen­den Pläne ent­spre­chen, nach Auf­fas­sung des AHA, kei­nes­falls dem gegen­wär­ti­gen öko­lo­gi­schen und land­schaft­li­chem Poten­tial des Huf­ei­sen­see­ge­bie­tes. Im Rah­men sei­ner Stel­lung­nah­men vom 28.11.2013 zur Ände­rung des Flä­chen­nut­zungs­pla­nes und zum Ent­wurf des Bebau­ungs­pla­nes 158 „Frei­zeit- und Erho­lungs­raum Huf­ei­sen­see“ hat der AHA u.a. fol­gen­des aus­ge­führt:

Anstatt nun­mehr eine alle Inter­es­sen abge­wo­ge­nes Nut­zungs- und Ent­wick­lungs­kon­zep­tion zu erstel­len, liegt nun­mehr ein sehr stark auf Umnut­zung auf soge­nann­ten „Frei­zeit­und Sport­raum“ ori­en­tier­ter Ent­wurf des Bebau­ungs­pla­nes 158 „Frei­zeit- und Erho­lungs­raum Huf­ei­sen­see“ vor.

Die Pla­nun­gen ver­nach­läs­si­gen fol­gende wich­tige Aspekte:

  • Der Huf­ei­sen­see ist ein Alt­ta­ge­bau und die geo­lo­gi­schen Set­zungs­pro­zesse kön­nen noch nicht abge­schlos­sen sein. So das schon aus dem Grund Neu­be­bau­un­gen voll­kom­men inak­zep­ta­bel sein kön­nen.
  • Die ange­streb­ten Erwei­te­run­gen der was­ser­sport­li­chen Nut­zung ber­gen die Gefahr der ver­stärk­ten Lärm- und Abgas­be­ein­träch­ti­gun­gen in sich, was die Woh­nund Erho­lungs­qua­li­tät, aber die Bedeu­tung als Lebens- und Brut­raum für ver­schie­dene Tier­ar­ten beein­träch­ti­gen kann.
  • Die Errich­tung einer Golf­an­lage auf einer tech­ni­sch und bau­lich abge­dich­te­ten Alt­de­po­nie birgt die Gefahr in sich, dass Schä­di­gun­gen der Abde­ckun­gen zu erneu­tem Ein­drin­gen von Nie­der­schlags­was­ser und wie­der ver­stärk­tem Schad­stof­f­e­in­trag in den See zur Folge haben kön­nen.

Um die land­schaft­li­che Viel­falt zu sichern hält es der AHA für sinn­voll ein Land­schafts­schutz­ge­biet (LSG) ein­zu­rich­ten. Inwie­weit es in ein drin­gend gebo­te­nes LSG „Rei­de­tal“ ein­ge­bet­tet sein oder als eigen­stän­di­ges Schutz­ge­biet errich­tet wer­den soll, gilt es wis­sen­schaft­lich zu prü­fen.

Der AHA hat erfreu­li­cher­weise im Rah­men der Abwä­gungs­mit­tei­lung der Stadt Halle (Saale) zur Kennt­nis genom­men, dass eine räum­li­che und bau­li­che Aus­wei­tung der Was­ser­sport­an­lage – bei­spiels­weise auf den Bereich der Innen­kippe- nicht mehr erfol­gen soll. Ansons­ten sieht der AHA in die­sem Abwä­gungs­be­schluss ein Sam­mel­su­rium aus man­geln­der Fach­lich- und Wis­sen­schaft­lich­keit, feh­len­der Trans­pa­renz, trotz mehr­fa­cher Pla­nungs­pha­sen sowie der mas­sive Ansatz von Abspei­sung und Abwie­ge­lung. Diese Qua­li­tät der Abwä­gung passt daher zu Plä­nen der Stadt Halle (Saale) statt des geschätz­ten Wer­tes im Umfang von 2.100.000 Euro, sich mit einem Ver­kaufs­preis im Umfang von 932.000 Euro zufrie­den zu geben. Das stellt einen Ver­lust in Höhe von 1.168.000 Euro dar. Die wirt­schaft­li­che und regio­nale Bedeu­tung der Golf­an­lage als Begrün­dung anzu­ge­ben ist zu min­des­tens genauso skan­da­lös, wie das Gesamt­vor­ha­ben an sich. Das Vor­ha­ben trägt im Falle der Umset­zung somit nicht nur zu mas­si­ven Stö­run­gen in Natur, Land­schaft und Umwelt sowie zur Hebung von Umwelt­ge­fah­ren bei, son­dern führt zu erheb­li­chen Ver­lus­ten eines steuer- und gebüh­ren­fi­nan­zier­ten öffent­li­chen Haus­hal­tes bei. Hier sind somit das Land Sach­sen-Anhalt in der Eigen­schaft der Kom­mu­nal­auf­sicht und nicht zuletzt der Lan­des­rech­nungs­hof des Lan­des Sach­sen-Anhalt sowie ggf. die zustän­dige Staats­an­walt­schaft gefragt.

Der AHA for­dert daher sämt­li­che geplante Bau­vor­ha­ben sofort zu stop­pen und statt­des­sen eine wis­sen­schaft­lich fun­dierte Erstel­lung einer Nut­zungs- und Ent­wick­lungs­kon­zep­tion für den Huf­ei­sen­see in Halle (Saale) anzu­ge­hen. Im Inter­esse einer öko­lo­gi­schen Beglei­tung der Ent­wick­lung des Huf­ei­sen­sees hat der AHA beschlos­sen eine „Arbeits­gruppe Huf­ei­sen­see“ zu bil­den. Wer in die­ser Arbeits­gruppe mit­ar­bei­ten möchte, wende sich bitte an fol­gende Anschrift:

Arbeits­kreis Hal­le­sche Auen­wäl­der zu Halle (Saale) e.V.
Große Klaus­straße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345/2002746
Fax.: 01805-684 308 363
Inter­net: http://www.aha-halle.de
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Ein Kommentar zu “Nach­den­ken über den Huf­ei­sen­see

  1. Ich per­sön­lich denke ja dass es viel­leicht „ein­fa­cher“ wäre, sol­che Dis­kus­sio­nen zu füh­ren, wenn die Pla­nungs­un­ter­la­gen in der Stadt aus­lie­gen. Aber das ist im Fall Huf­ei­sen­see schon ne Weile her und meis­tens geht’s erst dan­nach in die Presse. Ist wohl auch eine Her­aus­for­de­rung, da immer „am Ball“ zu blei­ben…

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