(c) Günther Havlena / pixelio.de

Canis lupus c. – Eine bedrohte hei­mi­sche Art

Wie wir in der Januar-Aus­gabe der „hal­le­schen stö­rung“ lesen durf­ten, ist der euro­päi­sche Wolf (Canis lupus lupus) wie­der auf dem „Vor­mar­sch“. Doch um die klein­ste Unter­art des Wol­fes, Canis lupus car­nis, steht es schlecht. Seit den 1980er Jah­ren ist ihre Zahl in Europa stark rück­läu­fig. In Liech­ten­stein, San Marino und Andorra ist der Kleinst­wolf gar vom Aus­ster­ben bedroht. Erstaun­li­cher­weise schei­nen Biolog*innen und Naturschützer*innen diese Tat­sa­che bis­lang weit­ge­hend über­se­hen zu haben. C. l. car­nis gilt als zurück­hal­tend und atta­ckiert grund­sätz­lich keine Schafe, Men­schen oder andere Tiere. Auf­grund sei­nes spe­zi­fi­schen Kau­ap­pa­ra­tes ver­mag er aus­schließ­lich vorz­er­klei­nerte Nah­rung zu ver­wer­ten.

Lebens­raum und Hal­tung

Haupt­nah­rungs­be­stand­teile sind Flei­sch und Fisch. Dane­ben ste­hen Gemüse, alt­ba­cke­nes Brot und tro­ckene Bröt­chen auf dem Spei­se­plan. In der Vor­weih­nachts­zeit ernäh­ren sich die Tiere bevor­zugt von Plätz­chen­teig. Die auch als „Fleisch­wolf“ bekannte Sub­spe­zies lebt in enger Sym­biose mit dem Men­schen und macht sich gerne im Haus­halt nütz­lich. Vor allem bei der Her­stel­lung von Hack­flei­sch, Würst­chen, Spritz­ge­bäck und Panier­mehl leis­ten die klei­nen silb­rig-grauen Gesel­len wert­volle Hilfe. Wer sich einen Fleisch­wolf hält, muss mit­nich­ten in einen auf­wän­di­gen Zwin­ger oder ein art­ge­rech­tes Gehege inves­tie­ren: Die Tiere bean­spru­chen wenig Platz und begnü­gen sich mit einem tro­cke­nen Plätz­chen im Küchen­schrank. Zudem ist C. l. car­nis ein recht lei­ser Zeit­ge­nosse. Er heult nicht noch bellt er; ledig­lich schlecht geölte Alt­tiere geben mit­un­ter ein Knir­schen oder Quiet­schen von sich. Gegen­über typi­schen Wolfs­krank­hei­ten wie der Toll­wut ist die robuste Unter­art resis­tent.

Gefähr­li­che Iso­la­tion beschleu­nigt Aus­ster­ben

In einer Stu­die der Hoax Uni­ver­sity (Groß­bri­tan­nien) aus den frü­hen 2000er Jah­ren zeig­ten aller­dings Fleischwölfe, die vom mensch­li­chen Rudel iso­liert und in Abstell­kam­mern, Kel­ler und auf Dach­bö­den aus­quar­tiert wur­den, in 93,7 % der Fälle bereits nach vier­zehn Tagen depres­sive Sym­ptome. Diese reich­ten von Schlaf­stö­run­gen über Gefühle der Nutz­lo­sig­keit und sui­zi­dale Gedan­ken bis zur völ­li­gen Apa­thie. Dar­über hin­aus zeig­ten die bri­ti­schen For­scher, dass eine Medi­ka­tion mit Fleisch­sa­lat, Thü­rin­ger Rost­brat­wurst und Fal­schem Hasen eine leichte Sen­kung der Depres­si­ons­werte bewirkte. Der starke Rück­gang der Fleischwölfe ist laut Dr. Gisela Eber­zahn-Kälb­chen von „Men­sch Tier Küche e. V.“ (MeTiKü) pri­mär auf die flä­chen­de­ckende Aus­brei­tung von Schnell­re­stau­rants zurück­zu­füh­ren, die sich auf Klöpse spe­zia­li­siert haben. Das zuneh­mende Ange­bot von Fer­tig­ge­rich­ten dürfte eben­falls eine Rolle spie­len. In jüngs­ter Zeit sind dage­gen immer mehr Fleischwölfe Vegetarier*innen und Veganer*innen zum Opfer gefal­len. Welch Iro­nie des Schick­sals.

Sigis­bert Ama­deus Emma­nuel von Schlot­ter­beck

Foto oben: Eines der letz­ten in freier Wild­bahn leben­den Paare der mitt­ler­weile sel­ten gewor­de­nen Art  |   © Gün­ther Hav­lena / pixelio.de

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