(c) Rene Schaeffer

Ring frei für die Post-Dra­ma­tik: „Bier für Frauen“ von Feli­cia Zel­ler in der Thea­trale Halle

Dass trin­kende und sich be-trin­kende Men­schen einen rele­van­ten Büh­nen- und Film­ge­gen­stand abge­ben, muss seit Max Goldt, Aki Kau­ris­mäki oder Jim Jar­mu­sch nicht mehr bewie­sen wer­den. Dass aber die in Trink­si­tua­tio­nen sich nach und nach ver­stüm­melnde All­tags­spra­che, unser „ich so“, „wie jetzt“ und „ach ver­giss es“ jede Menge sze­ni­sches Poten­zial bie­ten könnte, war der Thea­ter­au­to­rin Feli­cia Zel­ler einen neuen Ver­such wert.

„Bier für Frauen“ besteht aus ursprüng­lich 120 frag­men­ta­ri­schen Tria­lo­gen und jeder Menge absur­der Regie­an­wei­sun­gen. Eine Ein­la­dung also für expe­ri­men­tier­freu­dige Stu­dio­büh­nen, die aller­dings gespickt ist mit Risi­ken für die Insze­nie­rung. Die Schau­stelle Halle nahm die Her­aus­for­de­rung an und brachte unter der Regie von Sil­vio Beck das Erst­lings­werk der mitt­ler­weile gefei­er­ten Auto­rin Feli­cia Zel­ler auf die Bühne. Schon die Beset­zung mit dem Diven-Drei­eck Conny Wol­ter, Astrid Kohl­hoff und Ste­fan Ebe­ling erwies sich als Glücks­fall. Letz­te­rer bringt als alternde Drag-Queen im Mit­tel­punkt des Gesche­hens eine Por­tion an genia­li­schem Pfef­fer ein.

Das mini­ma­lis­ti­sche Büh­nen­bild besteht aus einem qua­dra­ti­schen Podest in Box­ring­größe – einem geeig­ne­ten Aus­tra­gungs­ort also für all die Ver­bal­at­ta­cken, Ich­be­fra­gun­gen und Zeit­geist-Mono­loge, Slap­stick-Faust­kämpfe und melo­dra­ma­ti­schen Ver­wand­lun­gen, last but not least: auch für über­ra­schen­den Show-Gla­mour mit Tanz und Gesang. Dafür, dass aus einem rei­nen Sprech­stück so zeit­weise fast ein klei­nes „Post“-Musical wurde, sorgte neben den Arran­ge­ments von Ste­fan Ebe­ling auch die Cho­reo­gra­fie von Ellen Brix. Über­haupt passt die vier­buch­sta­bige Stan­dard-Dis­kurs­silbe auf fast alles an die­sem Abend: Post-Dra­ma­tik, Post-Off­thea­ter, Post-Queer und natür­lich auch Post-Post. So gelun­gen und rund kann sich also Dekon­struk­tion anfüh­len.

Die hie­sige freie pro­fes­sio­nelle Thea­ter­szene beweist mit die­ser Pro­duk­tion ein­mal mehr, dass sie trotz jah­re­lan­ger Aus­hun­ge­rung durch die för­dern­den Behör­den in der Lage ist, vita­les, zeit­ge­nös­si­sches Thea­ter auf deut­lich über­re­gio­na­lem Niveau bei­zu­steu­ern. Der plötz­li­che Kul­tur­gold­re­gen aus dem Hal­le­schen Rat­haus kommt viel­leicht gerade noch recht­zei­tig, um diese bemer­kens­werte Qua­li­tät end­lich ein­mal wirk­sam zu sichern und zu för­dern. Gut auch, dass das Stück im Januar und Februar im Objekt 5 und anderswo wei­ter zu erle­ben sein wird. Schließ­lich han­delt es sich bei „Bier für Frauen“ weder um Weih­nachts- noch um Anti­weih­nachts­thea­ter.

Nächste Auf­füh­run­gen:
21. und 22. Dezem­ber in der Thea­trale am Wai­sen­haus­ring
18., 19. Januar im Objekt 5

Infos und Kar­ten­re­ser­vie­run­gen unter: http://schaustelle-halle.de/

 

Foto oben: © René Scha­ef­fer

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