TTIP-Demo am 10. Oktober in Berlin

Schwei­gen im (Blätter)walde – Ver­schla­fen wir den Wan­del der Zeit?

In Ber­lin demons­trier­ten am 10. Okto­ber zwi­schen 100.000 (offi­zi­ell ) und 250 000 ( vom Ver­an­stal­ter gezählte) Men­schen gegen die Poli­tik der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Mit dabei auch NABU – Mit­glied Stef­fen Neu­bert aus Halle, der sich als Multi-Akti­vist der­zeit ernst­hafte Sor­gen macht. Ein per­sön­li­cher Kom­men­tar.


„Mer­kel und Gabriel ver­spie­len unsere Demo­kra­tie“, wurde wäh­rend der Groß­demo durch die Stra­ßen Ber­lins geru­fen. Das ist offen­sicht­lich nicht beson­ders schlimm. Denn es sind ja nur 0,2 Pro­zent der Bevöl­ke­rung, die das stört. Da müs­sen sich unsere gewähl­ten Volks­ver­tre­ter nicht sor­gen oder unru­hig wer­den. Und unsere Medien?

Immer­hin berich­tete die ARD in den Haupt­nach­rich­ten 20.00 Uhr mit Bil­dern von einer der größ­ten Demons­tra­tio­nen seit 1990. Zeit für Bil­der des Men­schen­stro­mes von einer der Hub­schrau­ber­ka­me­ras kann man nicht erwar­ten, denn Fuß­ball und die Lot­to­zah­len haben ein Recht auf Sen­de­zeit. Den­noch trotz­dem DANKE an die ARD für das NICHT-Schwei­gen und kor­rek­tes Berich­ten.

Im Radio? MDR Sach­sen-Anhalt infor­mierte noch am Abend mit sach­li­chem Bericht. Am Mor­gen danach – nichts, nichts, nichts – außer wie­der Fuß­ball, Flit­zer­blit­zer und Wet­ter.

Hallenser Teilnehmer_Innen an der TTIP-Demo in Berlin

Hal­len­ser Teil­neh­mer_In­nen an der TTIP-Demo in Ber­lin

Ich war dabei. Wir waren dabei. Drei Men­schen von der Mon­tags­wa­che, wel­che wir jede Woche vor dem Rat­haus in Halle hal­ten und die eigent­lich jeder Hal­len­ser Bür­ger kennt oder im Vor­bei­lau­fen mei­det. Ja, das Flücht­lings­thema regt uns jetzt auf. Davor war es der Krieg in der Ukraine. Davor war es Grie­chen­land. Und davor? Schon ver­ges­sen? Und was kommt mor­gen?

Wir leben im Wan­del. Ja, das mer­ken natür­lich nur 0,2% Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Diese Men­schen , wel­che hys­te­ri­sch alles schlecht reden und Angst ver­brei­ten. Ja, zu die­sen Men­schen will ich gern gehö­ren. Denn seit Jah­ren stehe ich an Info­stän­den auf dem Markt­platz in Halle. Mal, um zu erklä­ren, dass Tier­schutz wich­tig ist. Mal, um die Wich­tig­keit für den Natur­schutz zu ver­deut­li­chen. Mal, um die pre­käre Lage von Kin­dern auf unse­rer Welt zu beleuch­ten. Und seit einem Jahr, um die Demo­kra­tie zu ret­ten.

Angst­ma­che? Hys­te­rie? Unsere Regie­rung ver­han­delt den gerade den Aus­ver­kauf an Groß­kon­zerne aus Über­see. Und wir Hal­len­ser schla­fen, weil wir keine Ahnung und auch keine freien Medien haben. Denn wenn wir diese hät­ten, wäre uns das klar. TTIP heißt das undurch­sich­tige Etwas, wel­ches über uns in Zukunft bestim­men wird. Trans­at­lan­tic Trade Invest­ment Part­nership – so der Name unse­rer zukünf­ti­gen Gesell­schafts­ord­nung, wenn wir Frau Mer­kel ver­trauen und wei­ter machen las­sen.

Zum Glück stan­den in Ber­lin die 100.000 stell­ver­tre­tend für über zwei Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land. Denn dort demons­trier­ten große Par­teien (Linke und Die Grü­nen), große Gewerk­schaf­ten wie VERDI, IGM und GEW, große Umwelt­ver­bände wie NABU, BUND, und viele andere große und kleine, aber sehr bekannte Akti­ons­grup­pen Deutsch­lands. All das läßt unsere Bun­des­kanz­le­rin kalt. Aber immer­hin wurde sie für den Frie­dens­no­bel­preis vor­ge­schla­gen. Und sicher­lich hät­ten sich dar­über 85 Mil­lio­nen Deut­sche gefreut. Dar­über hät­ten sich bestimmt auch alle Men­schen der Kriegs­re­gio­nen gefreut, wel­che mit unse­ren Waf­fen zu bei­den Sei­ten umkämpft wer­den. Als viert­größ­ter Rüs­tungs­ex­por­teur der Welt soll­ten wir um den Frie­dens­no­bel­preis wer­ben, oder?

Das liest man nicht in der MZ? Das hört man nicht im Radio? Das sieht man nicht im Fern­se­hen … Woran liegt das wohl?

Für uns drei kleine Hal­len­ser  war die Anti-TTIP-Demo in Ber­lin ein gro­ßer Erfolg im Kampf für Demo­kra­tie und Gerech­tig­keit in der Welt.

Eine Demo­kra­tie, die wir von unse­ren Vor­fah­ren geschenkt bekom­men haben. Soll­ten wir unse­ren Nach­kom­men auch etwas schen­ken?

Stef­fen Neu­bert

NABU

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