Walk of Liber­ty am 14. und 15.9. 2013 in Hal­le

Walk of Liber­ty nann­te sich die Pre­mie­ren­ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der Nemet­schek- Stif­tung aus Mün­chen und der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Sach­sen-Anhalt. Zen­tra­les The­ma die­ses Pro­jek­tes waren die im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Frei­heits­rech­te, im Kon­kre­ten die Arti­kel 2 (Frei­heit der Per­son), 4 (Reli­gi­ons­frei­heit), 5 (Mei­nungs­frei­heit), 8 (Ver­samm­lungs­frei­heit), 11 (Frei­zü­gig­keit) und 12 (Berufs­frei­heit).

Die in einer Stra­ßen­aus­stel­lung prä­sen­tier­ten Rech­te wur­de auf beid­sei­tig bedruck­ten Steh­len dar­ge­stell­ten. Hier­bei zier­te die Vor­der­sei­te das Recht in Zusam­men­hang mit einem Aus­zug aus dem Geset­zes­text, wohin­ge­gen auf der Rück­sei­te die jewei­li­ge Kehr­sei­te, sprich, dass einen per­sön­lich die Aus­übung die­ses Rechts durch ande­re ein­schrän­ken könn­te, beschrie­ben war. Des Wei­te­ren gab es Fühl­bo­xen, in denen Frei­heits­rech­te „erfühlt“ wer­den konn­ten, sowie einen Lite­ra­tur­stand der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Sach­sen-Anhalt.

Beglei­tet wur­de die Aus­stel­lung von Teamern der Nemet­schek-Stif­tung sowie den bei­den Frei­wil­li­gen­dienst­leis­ten­den der Lan­des­zen­tra­le. Auf­ga­be aller war es, die Besu­che­rIn­nen bezie­hungs­wei­se Pas­sant- Innen durch die Aus­stel­lung zu beglei­ten und mit die­sen über Frei­heits­rech­te ins Gespräch zu kom­men. Die Frei­heits­rech­te waren dabei meist nur ein Ein­stieg und es ent­wi­ckel­ten sich oft tief­grün­di­ge Gesprä­che, wel­che für alle Betei­lig­ten sehr infor­ma­tiv waren und neue Ein­bli­cke boten. Ein belieb­tes The­ma war auch die anste­hen­de Bun­des­tags­wahl.

Es lässt sich resü­mie­ren, dass die Ver­an­stal­tung von den Hal­len­sern gut ange­nom­men wur­de. Dies geschah trotz Ein­kaufs­stress und einer Viel­zahl ande­rer mög­li­cher Ange­bo­te, wel­che in der Innen­stadt plat­ziert waren. Zu kurio­sen Situa­ti­on kam es immer wie­der, wenn die­se Aus­stel­lung einer Par­tei zuge­ord­net wur­de da ja Bun­des­tags­wahl­kampf war und die Par­tei­en sich am Sams­tag rund um den Markt prä­sen­tier­ten. Die­ses Miss­ver­ständ­nis konn­te jedoch immer schnell auf­ge­klärt wer­den.

Im Gespräch mit den Men­schen ver­fes­tig­te sich immer mehr der Ein­druck, dass die­se zwar die Frei­heits­rech­te ken­nen, aber lei­der auch durch per­sön­li­che Erfah­run­gen fest­stel­len muss­ten, dass sich nicht alle Frei­heits­recht voll­stän­dig in Ihren All­tag inte­grie­ren las­sen. Dies trifft vor allem auf die Arti­kel 11 (Frei­zü­gig­keit) und 12 (Berufs­frei­heit) zu. Dies ist vor allem bedingt, durch das Anstei­gen von Mie­ten, wel­ches es für vie­le Men­schen unmög­lich macht, Ihren Wohn­raum frei zu wäh­len und sie somit in ihrer Frei­zü­gig­keit ein­ge­schränkt sind, aber auch durch unter­schied­li­che Stu­di­en­ge­büh­ren, so dass sich nicht jeder die Aus­bil­dung leis­ten kann, die er gern hät­te.

WOL 02Per­sön­lich erschre­ckend fan­den die Tea­mer auch, dass vie­le Men­schen der Mei­nung waren, sie hät­ten nur eine beding­te Mei­nungs­frei­heit und könn­ten ihre Mei­nung nicht immer so äußern, wie sie es gern tun wür­den wol­len, da mit Kon­se­quen­zen im Beruf oder Ähn­li­chem gerech­net wer­den müss­te.

So ist auch eine Bot­schaft, die die­se Aus­stel­lung den Men­schen ver­mit­teln soll, dass die Rech­te zwar im Grund­ge­setz nie­der­ge­schrie­ben sind, die Bür­ger aber erken­nen müs­sen, dass es sich lohnt für die­se auch ein­zu­tre­ten und sie bewusst zu leben, damit solch nega­ti­ve Erfah­run­gen immer weni­ger wer­den.

Erik Nie­mietz
Fotos: Tho­mas Erling
Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Sach­sen-Anhalt

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