Fällungen im Küttener Wald

"Die Wald­ma­cher"

Wald ist Mil­lio­nen von Jah­ren alt in der Ent­wick­lung unse­rer Erde. Wald exis­tier­te bereits vor der Ent­ste­hung der Mensch­heit. So haben wir es in der Schu­le gelernt. Der Wald braucht den Ein­griff des Men­schen, um sich ent­wi­ckeln zu kön­nen und um mehr CO2 zu bin­den - so lernt man es heu­te im Forstwirtschaftstudium.

Schwe­re Fäl­lun­gen im Berg­forst (Küt­tener Wald)

Im Peters­ber­ger Forst, auch Küt­tener Wald - kor­rekt Berg­holz - wur­den seit 2016 2.850 Fest­me­ter Holz ent­nom­men. Den här­tes­ten Ein­griff gab es 2020 mit 1650 Festmeter.
Die­se neu­er­li­che Ver­än­de­rung bemerk­ten Wald­be­su­cher und such­ten nach Ursachen.
Herr Sche­ritz und Herr Eisen­win­der ent­schlos­sen sich, in den Gemein­den rum­zu­fra­gen. Schnell bil­de­ten sich Grup­pen von inter­es­sier­ten Bür­gern, wel­che sich zuneh­mend sorg­ten um die Zukunft des Ihnen bekann­ten Waldes.

Tref­fen von Bür­gern mit dem Landesforstamt

Am 30.4.2021 gegen 9.00 Uhr tra­fen sich dar­auf­hin 8 Bür­ger der Gemein­den Küt­ten, Teicha und Peters­berg mit zustän­di­gen Ver­ant­wort­li­chen. Der Vor­sit­zen­de und Lan­des­forst­ver­ant­wort­li­che Herr Koth, sowie der Förs­ter Herr For­mel­la und die zustän­di­ge Förs­te­rin für den Saa­le­kreis kamen zum Auf­klä­ren. Auch anwe­send waren Frau Drechs­ler vom Ord­nungs­amt sowie Frau Brand von der Unte­ren Natur­schutz­be­hör­de. Nach kur­zer Vor­stel­lungs­run­de eröff­ne­te Herr Sche­ritz mit einer Rei­he von Fra­gen die Gesprächs­run­de, wel­che auf Grund der Coro­na­ver­ord­nung im Frei­en mit ent­spre­chen­dem Abstand stattfand.

Die Sor­gen betra­fen haupt­säch­lich die Ent­nah­me von Holz in Form von sehr dicken, alten Laub­bäu­men in erschre­ckend gro­ßem Aus­maß. Hier vor­wie­gend Eiche, Buche und Ahorn. Außer­dem um ent­ste­hen­de Schä­den am Boden durch Har­ves­ter und ihren Rück­e­gas­sen mit Gleisbildungen.
Herr Koth war anfäng­lich etwas iro­nisch beleh­rend in sei­nen Aus­sa­gen. Es fie­len Sät­ze wie „Wir kön­nen ja die Bäu­me nicht mit dem Hub­schrau­ber raus­ho­len" oder "Wir holen das Holz nicht aus rei­ner Raff­gier.“ „ Der Wald wur­de durch Förs­ter geschaf­fen und somit hat man nun das Recht ihn zu beern­ten.“ Der Ton wur­de im Lau­fe der Zeit glück­li­cher­wei­se gemä­ßig­ter und sachlicher.

Fäl­lun­gen finan­zie­ren die Forstämter

Den­noch wur­de wei­ter von Behaup­tun­gen Gebrauch gemacht, wel­che wis­sen­schaft­lich sehr umstrit­ten sind. Eini­ge strit­ti­ge Behaup­tun­gen stan­den auch am Ende im Raum. Der forst­li­che Ein­griff wäre im Wald unbe­dingt nötig, ohne ihn könn­te sich der Wald nicht ent­wi­ckeln und dem Kli­ma­wan­del stand­hal­ten. Im Wirt­schafts­wald fin­det mehr Holz­zu­wachs statt als im Natur­wald. Wirt­schafts­wald kön­ne mehr CO² bin­den als Natur­wald. Die Bäu­me wären alle krank gewe­sen. Eine Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht wür­de zum Fäl­len zwin­gen. Und vie­les mehr.
Nach­dem aus der Run­de der Bür­ger gegen­tei­li­ge Fak­ten benannt wur­den, konn­te man ein Ein­len­ken erken­nen. So wur­den schnell die eigent­li­chen Hin­ter­grün­de und Pro­ble­me deut­lich. Zum einen ist es durch finan­zi­el­le und per­so­nel­le Eng­päs­se sehr schwie­rig, Maß­nah­men mit ent­spre­chen­der Qua­li­tät durch­zu­füh­ren. Die Arbei­ten wer­den mit­tels Aus­schrei­bun­gen an vor­wie­gend ost­eu­ro­päi­sche Fir­men ver­ge­ben. Hin­zu kommt, dass die lei­ten­den Mit­ar­bei­ter des Lan­des­fors­tes in Sang­er­hau­sen sit­zen und so schwer die Arbei­ten kon­trol­lie­ren kön­nen. Die Fir­men kom­men von weit her mit der Tech­nik und sind somit gezwun­gen, auch bei unpas­sen­den Wet­ter­la­gen ihre Arbei­ten auszuführen.
Eine wei­te­re rich­ti­ge Aus­sa­ge wur­de gemein­sam erar­bei­tet. Die Ursa­che für den gro­ßen Fäll­druck liegt in der Finan­zie­rung der Forst­äm­ter über den Erlös des Hol­zes sowie an dem immer wei­ter wach­sen­den Holzbedarf.
Herr For­mel­la konn­te sehr vie­le inter­es­san­te Ein­bli­cke in das Förs­t­erle­ben geben und sei­ne Sor­gen wider­spie­geln. Er wür­de gern die im Wald vor­herr­schen­de natür­li­che Ver­jün­gung durch den Ahorn zulas­sen, als den stren­gen Vor­ga­ben der Behör­den fol­gend für gefor­der­te Eichen die jun­gen Ahorn­bäu­me zu ent­neh­men. Die Not­wen­dig­keit ver­such­te Frau Brand dar­zu­le­gen. Durch Manage­ment­plä­ne wer­de die Arten­viel­falt gesi­chert, und dazu sei eine ent­spre­chen­de Pfle­ge not­wen­dig und ohne Alternativen.
Eine Anpflan­zung von neu­en Eichen hat es bis­her jedoch nicht gege­ben. Der Grund dafür blieb offen.
Nach 3 Stun­den und 30 Minu­ten im durch­ge­fro­re­nen Zustand ver­stän­dig­ten sich die noch übrig geblie­be­nen Teil­neh­mer zu einer schrift­li­chen Zusam­men­fas­sung, sowie zu einer Samm­lung an wei­te­ren Fra­gen. Wie soll es nun wei­ter­ge­hen mit der „Umge­stal­tung“? Wie kann man die Qua­li­tät der Arbei­ten ver­bes­sern? Ist das Vor­ge­hen wirk­lich noch zeit­ge­mäß? Die Bür­ger haben nicht vor, der Ent­wick­lung wei­ter taten­los zuzusehen.

Mein Bei­trag

Was konn­te ich als Teil­neh­mer selbst ein­wer­fen? Ich ver­wies zum einen auf die vier Haupt­auf­ga­ben des Fors­tes und deren aus­ge­wo­ge­ne­re Abar­bei­tung. Holz­ge­win­nung ist ja nur ein Teil des staat­li­chen Auf­tra­ges. Die För­de­rung des Erho­lungs­wer­tes, die För­de­rung von Arten- und Natur­schutz sowie die För­de­rung von CO2-Spei­che­rung sind drei wei­te­re sehr wich­ti­ge Auf­ga­ben. Die­se wer­den von der EU immer mehr gefor­dert. Doch Kapa­zi­tä­ten oder Finan­zie­rung dafür sind nicht oder kaum vorhanden.
Ich bat um die Prü­fung der Mög­lich­keit, die eben­falls von der EU gefor­der­te 5% Rege­lung im Wald anzu­stre­ben. Also 5% der jewei­li­gen Wald­flä­che soll aus der Nut­zung her­aus­ge­nom­men wer­den für immer. Dies hät­te den Vor­teil, dass jeder Bür­ger vor der Haus­tür eine natür­li­che Ent­wick­lung mit­er­le­ben kann. Dass Kin­der wie­der die Chan­ce bekom­men, ech­ten natür­li­chen Wald zu erle­ben und kennenzulernen.
Ich gab zu beden­ken, dass die Ver­kehrs­si­cher­heits­pflicht miss­braucht wer­den dür­fe. Die­se Pflicht wür­de ja nur an Wegen grei­fen, nicht aber die tief ein­schnei­den­den Rück­e­gas­sen recht­fer­ti­gen. Auch bat ich um eine Betei­li­gung von Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen bei der Pla­nung von solch mas­si­ven Ein­grif­fen. Der Umgang mit kran­ken Bäu­men ist klä­rungs­be­dürf­tig aus mei­ner Sicht. Es gibt eini­ge wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen über den Wert von ster­ben­dem und totem Holz im Wald und deren öko­lo­gi­scher Bedeu­tung. Bei der CO2-Lüge und der Holz­zu­ge­winn-Lüge möch­te ich gern auf Lite­ra­tur ver­wei­sen. Zum Bei­spiel der aktu­el­len Ver­öf­fent­li­chung „Der Holz­weg“: Wald im Wider­steit der Interessen*.

Letzt­end­lich möch­te ich auch hier mei­nen Dank nicht ver­ges­sen. Die­ses Tref­fen ist von der Mehr­heit der Teil­neh­mer ins­ge­samt als sehr posi­tiv emp­fun­den worden .

Stef­fen Neubert
NABU

 

Hans Die­ter Knapp (Hrsg.), Sieg­fried Klaus (Hrsg.), Lutz Fäh­ser (Hrsg.)
Der Holz­weg – Wald im Wider­streit der Interessen
ISBN: 978−3−96238−266−7
480 Sei­ten, 1. Auf­la­ge erscheint am 14.01.2021

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