In nur wenigen Jahren hat sich die Volksbühne Kaulenberg einen Status als unverzichtbarer Theater- und Kulturstandort in Halles zentraler Innenstadt erarbeitet. Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen ruft Gründer und Impressario Jonas Schütte nun zu einer Spendenkampagne per Crowdfunding auf. Mit dem Geld sollen die laufenden Produktionen und der Betrieb gesichert werden, wie er im Interview berichtet.
Die Spielstätten der TOOH verabschieden sich gerade in die Sommerpause. Euer Spielplan hingegen ist auch im Juli und August gut bestückt und weist sogar eine Premiere aus. Wann hast Du das letzte Mal frei gemacht?
Im Frühling, da war ich mit meiner Tochter auf den Kanaren. Mein hervorragendes Team übernimmt dann auch mal den Betrieb und andere tolle Künstlerinnen und Künstler stehen auf der Bühne.
Weil sich das viele Privatmenschen sicher nicht vorstellen können: Wieso kommen drei Jahre nach Corona noch „unerwartete Nachzahlungen“ aus dieser Zeit auf den Kaulenberg e.V. zu und welche Behörde stellt diese Forderungen?
Das ist etwas kompliziert, weil ich ja als Einzelunternehmer das komplette Risiko trage. Das geht, wenn ein Betrieb klein ist, auch gut. Aber während Corona war die Übersicht manchmal
etwas schwierig. Ich musste mehrjährig denken. Und so hat mal der Jahreswechsel dafür gesorgt, dass ich auf dem Papier Gewinn gemacht habe. Es wurde aber alles reinvestiert und nun zahle ich Steuern in hoher Summe. Künftig werde ich das durch eine gGmbH vermeiden. Jetzt versuche ich, durch das Crowdfunding meine Eigenarbeitsleistungen auszugleichen. Wie gesagt, etwas kompliziert alles.
Roter Salon, Grüner Salon, Innenhof, Lesebühne, DoSe, Tanzwerkstatt – Das Angebot an Räumen und Formaten bei Euch ist unglaublich vielfältig. Wer macht, bespielt und koordiniert das alles und wie viel Ehrenamt steckt dahiner ?
Mein Team und ich, natürlich auch der Kaulenberg e.V.. es steckt leider noch eine große Menge Ehrenamt dahinter. Die Gastro allein ist vollständig ehrenamtlich, weil es nicht anders geht für eine Theatergastro. Die Koordination dafür verantworte ich. Auch ehrenamtlich, bis die Fördermittel für das einmal Miete übersteigt und wir tatsächlich vorausplanen können. Das ist für einen professionellen Anspruch nicht wenig.
Die freie Theaterszene hat aktuell flächendeckend mit Etatkürzungen zu kämpfen. Wie steht es um die Absicherung Eurer aktuellen und geplanten hauseigenen künstlerischen Produktionen?
Die Stadtverwaltung arbeitet sehr vorausschauend, was hilfreich ist. Auch das Land hat weiterhin gute Fördermöglichkeiten. Die Produktionen sind abgesichert, wenn unsere vielfältigen Förderantrage zu einem Großteil durchgehen. Für dieses Jahr wäre das mit dem Crowdfunding abgesichert. Für das nächste Jahr erhoffen wir uns breitere Geldquellen.
Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Plattform Halle-Crowd gemacht und könnt Ihr das anderen Vereinen und Projekten empfehlen?
Das ist unser erstes Crowdfunding mit Halle-Crowd. Bislang können wir viel positives berichten, aber der verzögerte Start war etwas befremdlich. Das lag nun wieder nicht direkt an Halle-Crowd. Die zusätzlichen Unterstützungen sind toll. Wir sind im Gesamten sehr begeistert.
Viel Erfolg mit der Kampagne und Riesendank für alles was Ihr auf die Beine stellt.








