Die Anthologie 'Andymonaden' versammelt zwölf neue, eigenständige Erzählungen von Autorinnen und Autoren, die den nun schon klassischen DDR-SF-Roman 'Andymon' neu gelesen haben. Sie erzählen Teilaspekte der Romanwelt neu und durchaus zeitkritisch.
Im Klappentext sorgen sich Angelika und Karlheinz Steinmüller, ob die von ihnen zur Verfügung gestellte Romankonstellation heute noch eine Bedeutung hat. Ob vielleicht alle Beteiligten mit der utopischen Grundidee fremdeln würden? Doch ihre Bedenken zerstreuen sich rasch, alle 12 Texte lassen sich mit Haut und Haaren auf 'Andymon' ein. Mit dem Wissen von heute schreiben sie den Roman von 1982 weiter und man erfährt auch endlich etwas über den Bau des namenlosen Raumschiffs.
In Mert Akbals Erzählung 'Auf die Sterne fallen' beobachten drei Heranwachsende einer nahen Zukunft auf einer breiten Mauer den abendlichen Sternenhimmel und konsumieren halluzinogene Pilze. In ihrem Rausch fallen sie von der Erde in den Himmel. Eine einschlagende Rakete erinnert sie an ihre Pflichten, sie holen die monatliche Ration Speiseinsektenpulver von der Packstation ab und bringen sie in den Plattenbau zu Asilons Mutter. Die rührt für alle das Abendessen ein, sämigen Insektenbrei. Wieder auf der Straße beobachten die Drei, wie mit einem riesigen Katapult Bauteile von einer Baustelle zur 'Nomadina' geschleudert werden, dem neu entstehenden Raumschiff in der Umlaufbahn. Dann gehen Fiona, Mithra und Asilon tanzen auf der Baustelle. Die umher wuselnden Roboter und Montagedrohnen sind sehr vorsichtig, bieten sogar einen gewissen Schutz gegen anfliegende Kampfdrohnen, nicht aber gegen Raketen und Gleitbomben.
Trennung von Oligarchie und Wirtschaft
Wie es weitergeht, verrät Patricia Eckermann in ihrer Geschichte 'Sabotage'. Um das unter derart dystopischen Bedingungen fertiggestellte Raumschiff doch noch in dem von den Steinmüllers erzählten Zustand auf den Weg zu bringen, muss ein Sabotagetrupp aktiv werden. Der wirft das Erbgut der superreichen Tech-Oligarchen weg und ersetzt es durch Spendermaterial aus aller Welt. Alle Daten des Raumschiffs aus den Jahren nach 1999 werden überschrieben. Für die eitlen Oligarchen ist es die Höchststrafe, ihr Verschwinden aus dem Gedächtnis der Menschheit.
Das Heranwachsen der künstlich erbrüteten Raumschiff-Besatzung wird mehrfach neu thematisiert, vom Terraforming des Planeten erzählt Zara Zerbes 'Moosflechten'. Das Gruppenwesen auf dem Mond Gedon beschäftigt Jol Rosenberg. Die Weiterreise vom Andymon zu neuen Herausforderungen ist Thema bei Aiki Mira.
Eine Nachzüglerin von der immer noch geschundenen Erde macht sich in Zeinab Hodeibs 'Ich werde dir von allem erzählen' auf den Weg zum Andymon. Ma'rees (weiblich) und A'Damahs (männlich) Bunkersystem hat einen schweren Treffer abbekommen, doch nur Ma'ree findet den Mut, mit dem neuen Quantenspringer zu ihrem Sehnsuchtsort zu reisen. Das geht recht schnell und sie wird zurückkommen und ihrem Bruder die ganze Utopie erzählen - versprochen! Unbedingte Leseempfehlung.
Andymonaden. 12 SF-Geschichten, herausgegeben von Michael Wehren. Berlin 2025. 196 Seiten, Klappenbroschur 23,- €







