Wer pro­du­ziert unter wel­chen Bedin­gun­gen unse­re Klei­dung? Inter­view zur Fashion Revo­lu­ti­on Week 2018

Die "Fashion Revo­lu­ti­on Week" will als jähr­lich statt­fin­den­de Akti­ons­wo­che  für mehr Ver­bau­cher­be­wusst­sein und Trans­pa­renz  in der Mode­welt sor­gen. In Hal­le fin­den dazu meh­re­re stu­den­tisch orga­ni­sier­te Klei­der­tausch­par­tys und Vor­trä­ge statt. Die Hal­le­sche Stö­rung sprach mit den Organisator*innen von Green­peace Leip­zig.

 

Fashion Revo­lu­ti­on - das klingt nach mehr als nach einem Shop­ping-kri­ti­schen Spa­zier­gang durch die Innen­stadt. Mit wel­chen Akti­ons­for­men sol­len Konsument*innen erreicht wer­den?

In einer gan­zen Woche voll Ver­an­stal­tun­gen gibt es ver­schie­de­ne For­ma­te, mit denen wir die Öffent­lich­keit und Konsument*innen erreich wol­len. Mit der Mahn­wa­che zum Auf­takt wol­len wir zunächst Auf­merk­sam­keit für das The­ma erzeu­gen. Die Ver­an­stal­tun­gen im Lauf der Woche ver­bin­den dann Infor­ma­ti­on und eige­nes Erle­ben und mit­ma­chen: Wir haben Vor­trags­aben­den und eine Film­vor­füh­rung geplant, es gibt einen inter­ak­ti­ven Work­shop zum The­ma Boy­kott und bei einem posi­tiv-Stadt­rund­gang und einem wei­te­ren Stadt­teil­rund­gang zu den Spu­ren von Tex­til­wirt­schaft im Leip­zi­ger Wes­ten kön­nen Inter­es­sier­te ein­zel­ne Aspek­te direkt vor Ort sehen.

Den Abschluss und die größ­te Mit­mach-Akti­on unse­rer Fashion Revo­lu­ti­on Week bil­det der Akti­ons­tag am 28.04. auf dem Niko­lai­kirch­hof: Hier zei­gen wir mit einer Moden­schau öko­fai­re Klei­dung haut­nah und man kann mit den Designer*innen und/oder Händler*innen in Kon­takt kom­men. Mit­ma­chen kön­nen alle Inter­es­sier­ten dann vor allem beim Klei­der­tausch, der durch einen Sieb­druck­stand zum Gestal­ten neu getausch­ter oder eige­ner mit­ge­brach­ter Klei­dung ergänzt wird. Mit einer Foto-"Knipskiste" laden wir außer­dem dazu ein, Fotos mit einer Bot­schaft an Tex­til­her­stel­ler oder Mar­ken zu machen und den Fir­men zuzu­schi­cken. Wir hof­fen, dass bei der Viel­falt für jeden etwas dabei ist.

Nach­hal­ti­ger Kon­sum ist bei man­chen Pro­duk­ten in der Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men - mit allem Für und Wider ( Stich­wort Green­wa­shing). War­um gibt es spe­zi­ell beim The­ma Klei­dung aus Eurer Sicht einen beson­de­ren Nach­ho­le­be­darf?

Modenschau auf der Fashion Revolution Week

Fai­re Moden­schau beim Akti­ons­tag 2017 in Leip­zig
© Green­peace Leip­zig

Anders als bei der inzwi­schen gro­ßen Men­ge und Auf­merk­sam­keit für Bio-Pro­duk­te im Super­markt ist das Ange­bot nach­hal­tig pro­du­zier­ter Klei­dung noch nicht so im Main­stream-Kon­sum sicht­bar. Wer fair gehan­del­te Klei­dung kau­fen möch­te muss heu­te mehr­heit­lich noch in spe­zi­el­le Geschäf­te gehen. Die Ver­wen­dung von Bio-Baum­wol­le von kon­ven­tio­nel­len (und zum Zeil Fast Fashion) Mar­ken geht längst nicht weit genug was öko­lo­gi­sche Pro­duk­ti­on angeht. Ver­ein­zel­te Initia­ti­ven z.B. zur Rück­nah­me von gebrauch­ter Klei­dung wie H&M es anpreist, sind außer­dem auch wenig ziel­füh­rend, da sie eher noch mehr zum Neu­kauf anre­gen und es für die meis­ten zurück­ge­brach­ten Tei­le sicher noch eine bes­se­re Ver­wen­dung gäbe.

Dazu kommt, dass vie­len Konsument*innen die weit­rei­chen­den Aus­wir­kun­gen des Tex­til­kon­sums von den öko­lo­gi­schen Fol­gen bis zu den pro­ble­ma­ti­schen sozia­len Ver­hält­nis­sen einer­seits und ande­rer­seits das Poten­zi­al eines ver­än­der­ten Kon­sum­ver­hal­tens wenig bewusst sind. Dass man enor­me Ein­spa­run­gen an Was­ser und ande­ren Res­sour­cen erzie­len kann, indem man Klei­dung län­ger trägt oder wei­ter­gibt und wie man mit zer­ti­fi­zier­ter Klei­dung Arbeits­be­din­gun­gen ver­bes­sern kann, des­sen müs­sen sich die Konsument*innen noch stär­ker bewusst wer­den. Bei Klei­dung gibt es außer­dem noch eine weit grö­ße­re Viel­falt an Zer­ti­fi­ka­ten und Sie­geln als z.B. bei Lebens­mit­teln, sodass es auch dort Auf­klä­rungs­be­darf gibt. Bei der Fashion Revo­lu­ti­on Week ver­su­chen wir all die­se Aspek­te abzu­de­cken.

Das Bewusst­sein der Konsument*innen ist das eine - Struk­tu­ren und Orga­ni­sa­ti­on das ande­re. Wie geht Ihr wäh­rend und nach der Akti­ons­wo­che mit den Han­dels­fir­men um?

Bei den Tex­til­fir­men wol­len wir ihre Ver­ant­wor­tung anmah­nen, die sie sowohl für Rana Pla­za, die Her­stel­lungs­be­din­gun­gen ins­ge­samt sowie für die Kon­sum­kul­tur und Preis­po­li­tik haben und sie zu posi­ti­ven Ver­än­de­run­gen auf­for­dern. Die Mahn­wa­chen in Leip­zig und Hal­le sind ein Mit­tel dafür, außer­dem wol­len wir in Leip­zig eine Akti­on der Clean Clo­thes Cam­pai­gn unter­stüt­zen und Mode­fir­men mit der Über­ga­be eines Brie­fes zur Unter­zeich­nung des Ban­gla­des­hAc­cords für mehr Arbeits­schutz in den Tex­til­fa­bri­ken Ban­gla­deschs auf­for­dern. Ein Kern­stück der Fashion Revo­lu­ti­on Bewe­gung ist außer­dem die Fra­ge „Who made my clo­thes“, die v.a. in online-Aktio­nen an die Fir­men gerich­tet wird. Dar­an betei­li­gen wir uns mit unse­rer Öffent­lich­keits­ar­beit und beim Akti­ons­tag in Leip­zig kön­nen Fotos mit Bot­schaf­ten wie die­ser gemacht und an die Unter­neh­men geschickt wer­den. Neben dem „Anpran­gern“ der gro­ßen Mode­fir­men lebt unse­re Akti­ons­wo­che jedoch auch davon, dass sich loka­le Anbieter*innen öko­fai­rer Mode in die Orga­ni­sa­ti­on der Akti­ons­wo­che ein­brin­gen und so z.B. durch die Moden­schau auch bekann­ter wer­den kön­nen und so gezielt die Alter­na­ti­ven zu Fast Fashion gestärkt wer­den.

Mahn­wa­che für die Opfer der Rana Pla­za Kata­stro­phe auf der Fashion Revo­lu­ti­on Week 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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