Wie wei­ter mit dem geplan­ten Land­schafts­schutz­ge­biet "See­be­ner Ber­ge und Feld­flur"?

Im Janu­ar 2020 brach­te die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Hal­les Stadt­rat einen Beschluss­an­trag zum geplan­ten Land­schafts­schutz­ge­biet "See­be­ner Ber­ge und Feld­flur" ein. Die Unte­re Natur­schutz­be­hör­de soll­te beauf­tragt wer­den, ent­spre­chend des Vor­schla­ges in der 1. Teil­fort­schrei­bung des Land­schafts­rah­men­pla­nes von 2013, die erfor­der­li­chen Schrit­te zur Fest­set­zung des geplan­ten Land­schafts­schutz­ge­bie­tes ein­zu­lei­ten.

Der Antrag der Grü­nen wur­de in die Aus­schüs­se ver­wie­sen, die im Febru­ar ihre Bera­tun­gen dar­über auf­nah­men. Mit­te März führ­ten dann die bekann­ten gesund­heits­po­li­ti­schen Kon­vul­sio­nen dazu, dass auch die kom­mu­nal­po­li­ti­schen Pro­zes­se in Hal­le einem umfas­sen­den "lock­down" unter­zo­gen wur­den. Nur unmit­tel­bar lebens­not­wen­di­ge Vor­ha­ben und Beschlüs­se kön­nen seit­her im Stadt­rat und sei­nen Gre­mi­en behan­delt wer­den.

Aber ist nicht auch die Aus­wei­sung neu­er Schutz­ge­bie­te eine Lebens­not­wen­dig­keit? Das Vor­ha­ben um die See­be­ner Ber­ge resul­tiert aus dem ers­ten Land­schafts­rah­men­plan der Stadt Hal­le im Jahr 1997. Eine Teil­fort­schrei­bung die­ses Pla­nungs­werks gab es im Jahr 2013, in der das neue Schutz­ge­biet mit einer Flä­che von 265 ha wie­der an her­vor­ge­ho­be­ner Stel­le behan­delt wur­de. Meh­re­re bestehen­de Schutz­ge­bie­te und -objek­te (Flä­chen­na­tur­denk­mä­ler, Geschütz­te Land­schafts­be­stand­tei­le) sol­len mit­ein­an­der zu einem Land­schafts­schutz­ge­biet (LSG) ver­bun­den wer­den. Die Ort­schaft See­ben selbst soll nicht mit in das LSG inte­griert wer­den.

Das Gebiet der See­be­ner Ber­ge und des Hopp­ber­ges ist durch aus­ge­dehn­te arten­rei­che Tro­cken­ra­sen­flä­chen und -hän­ge gekenn­zeich­net. Dazu kom­men halb­of­fe­ne Gebüsch­flu­ren, Streu­obst­wie­sen und arten­rei­che Feld­ge­höl­ze. Die offe­nen und halb­of­fe­nen Flä­chen sind bedeu­ten­de Lebens­räu­me für boden- und gebüsch­brü­ten­de Vögel (Reb­huhn, Gold­am­mer, Baum­pie­per, Neun­tö­ter, Raub­wür­ger).

Bio­top­ver­bund stär­ken!

Zahl­rei­che gefähr­de­te, vor­ran­gig wär­me- und tro­cken­heits­lie­ben­de Insek­ten­ar­ten erhö­hen zusätz­lich die Schutz­wür­dig­keit. Ele­men­te einer Berg­bau­fol­ge­land­schaft (Gru­be Glück­auf) sind als Gewäs­ser mit wert­vol­len Amphi­bi­en­vor­kom­men zu ver­zeich­nen. Die Land­schaft um See­ben ist eine weit­ge­hend unver­bau­te und unzer­schnit­te­ne Grün­ach­se im Sin­ne eines Bio­top­ver­bun­des an Hal­les nörd­li­cher Stadt­gren­ze. Eine bes­se­re Unter­schutz­stel­lung des Gebiets ist auch gebo­ten, um Nähr­stoff­ein­trä­ge aus der umge­ben­den Acker­land­schaft in die Mager­ra­sen zu ver­rin­gern, etwa durch Schaf­fung von Puf­fer­strei­fen. Der Ver­unkrau­tung und Ver­bu­schung von Tro­chen­ra­sen soll­te durch bes­se­re Bewei­dung ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Auch Maß­nah­men gegen Neo­phy­ten (Robi­nie) wären hier sinn­voll. Der stein­zeit­li­che Men­hir (Fran­zo­sen­stein) soll­te sei­nen Schutz­strei­fen zum benach­bar­ten Acker zurück­be­kom­men, Öko­hof und Rei­ter­hof mehr in die Land­schafts­pfle­ge ein­be­zo­gen wer­den.

Die Pla­nun­gen für ein LSG "See­be­ner Ber­ge und Feld­flur" ruhen seit 2013, was von Kri­ti­kern mit dem seit­her in Hal­les Rat­haus eta­blier­ten "Wahl­kö­nig­tum" in Ver­bin­dung gebracht wird. Was zu Beginn noch den Vor­teil kür­ze­rer Ent­schei­dungs­we­ge hat­te, zeigt nun gra­vie­ren­de Nach­tei­le, von denen demo­ti­vier­te Mit­ar­bei­ter und Män­gel im Wild­tier­schutz (Biber, Eis­vö­gel) nur die offen­sicht­lichs­ten sind. Demo­kra­ti­sie­rung ist ange­sagt oder wie kürz­lich mei­ne Nach­ba­rin mein­te:

"Kann sein, dass wir unse­re Grund­rech­te zurück­be­kom­men und wie­der wie mün­di­ge Bür­ger behan­delt wer­den, aber die viel­fäl­ti­gen Schä­den (an Mensch und Natur) sind nicht wie­der rück­gän­gig zu machen!"

Die neue Nor­ma­li­tät wird sicher eine ande­re sein, die aber gilt es jetzt schon vor­zu­be­rei­ten.

Abbil­dung aus: "Land­schafts­rah­men­plan für die Kreis­freie Stadt Hal­le (Saa­le) - 1. Teil­fort­schrei­bung", Stadt Hal­le (S.) 2013

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