Kai­sers alte Klei­der

Vom 3.02. bis zum 16.02. zeig­ten die Par­al­lel­aus­stel­lun­gen „Alt­klei­der – do not wear“ von der Sti­pen­dia­tin Aure­lia Becker und „Made in_ Woher kommt mei­ne Klei­dung?“  von Nad­ja Win­ter und Isa­bel­le Sel­wat in der Gro­ßen-Ulrich-Str. 13, dem ehe­ma­li­gen Xenos-Kauf­haus, die Her­kunft unse­rer neu­en Klei­der und das Schick­sal unse­rer alten – mit Blick auf die sozia­len und öko­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen.

Im Teil „Made in_“ Woher kommt unse­re Klei­dung?“ ging es um die Roh­stof­fe und ihre Ver­ar­bei­tung. Natur- und Kunst­fa­sern wer­den auf­wän­dig und unter erheb­li­chen Umwelt­be­las­tun­gen her­ge­stellt und ver­ar­bei­tet. Der Baum­wollan­bau etwa ist ein Res­sour­cen­fres­ser und braucht ton­nen­wei­se Gif­te, um die Pflan­ze gewinn­brin­gend anbau­en zu kön­nen. Che­mie­fa­sern  wie Poly­amid wer­den aus Erd­öl her­ge­stellt und sind eben­so wenig abbau­bar wie alle ande­ren Plas­tik­pro­duk­te.

Die beim Waschen gelös­ten Fasern gelan­gen mehr oder weni­ger unge­hin­dert in Form von Mikro­plas­tik über­all hin in Fließ­ge­wäs­ser und Mee­re und schließ­lich ins Trink­was­ser. Das Fär­ben der Mate­ria­li­en für unse­re Klei­dung geschieht oft in Chi­na. Dort flie­ßen die hoch­gif­ti­gen Abwäs­ser in Flüs­se und Seen und ver­seu­chen das Grund­was­ser. Was im Stoff bleibt, tra­gen wir auf der Haut und, wenn es sich schließ­lich löst, in unse­rem Blut. Man konn­te vor Ort selbst Stoff fär­ben, um zu erle­ben, wie lang­wie­rig das ist.

Wis­sen wir das alles schon? Ja, sicher ...

Ange­sichts des­sen: Fra­gen wir bei jedem Klei­dungs­stück, oft genug unter Skla­ve­rei ähn­li­chen Zustän­den genäht und hier bil­lig ver­kauft, ob wir es wirk­lich brau­chen? Das nicht wirk­lich Gebrauch­te näm­lich wan­dert schnell in die Alt­klei­der, die den ande­ren Teil der Aus­stel­lung bestimm­ten. Klei­ne Ber­ge davon lagen davon her­um und rochen cha­rak­te­ris­tisch nach Muff. Die Prin­zi­pi­en der Sor­tie­rung und Wei­ter­ver­wer­tung wur­den dar­ge­stellt, ver­bun­den mit dem Appell, doch lie­ber zu repa­rie­ren und auf­zu­wer­ten, als schnell weg­zu­wer­fen.  Denn eine wirk­lich gute Ver­wer­tung gibt es eigent­lich nicht. Zu viel von unse­ren Alt­klei­dern wan­dert etwa nach Afri­ka, liegt dort auf den Märk­ten her­um und zer­stört die ein­hei­mi­sche Beklei­dungs­in­dus­trie.

Wis­sen wir alles schon? Ja, sicher (das ist ja das Schlim­me). Han­deln wir danach? Na ja ... Viel­leicht. Manch­mal. Und über­haupt, Schuld ist die Mode. Und die Indus­trie natür­lich.

Genau des­halb sind sol­che Aus­stel­lun­gen nütz­lich. Sie holen das The­ma zu uns, in unser Land, in unse­re Schrän­ke, auf unse­re Haut. In gut aus­stel­lungs­päd­ago­gi­scher Manier waren aller­lei Mit­mach­sta­tio­nen ange­bo­ten, z. B. das Sam­meln von Baum­wol­le unter Zeit­druck. Man merkt sich etwas bes­ser, was man han­delnd oder mit meh­re­ren Sin­nen erfährt. Hof­fent­lich.

Zur Aus­stel­lung gehör­ten Inter­views mit Vertreter*inen der Recy­cling­bran­che

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