Drei von dreitausend besuchern der Ausstellung "Erwin Hahs - protagonist der Moderne in Halle" 2014

Schlie­ßung des Kunst­fo­rums ist Ver­nich­tung von kul­tu­rel­lem Kapi­tal

Die Kunst­stif­tung der Saa­le­spar­kas­se stellt nach zehn Jah­ren den Betrieb des Kunst­fo­rums in der Bern­bur­ger Stra­ße ein. Wer die ehe­ma­li­ge Ban­kiers­vil­la im Anschluss nutzt und ob über­haupt mit kul­tu­rel­len Inhal­ten zu bespie­len gedenkt, ist unklar.

Es ist ein offe­nes Geheim­nis, dass der seit 2015 amtie­ren­de neue Spar­kas­sen­chef Dr. Jür­gen Fox kein aus­drück­li­cher Freund der schö­nen Küns­te ist, son­dern woh­le­her Sport vor­zugt. Darf dies ein hin­rei­chen­der Grund sein für eine Poli­tik der ver­brann­ten Erde? Sei­nem Vor­gän­ger Fried­rich Stumpf war es zu ver­dan­ken gewe­sen, dass die Saa­le­spar­kas­se sich über­haupt in so hohem Maße für Kunst enga­giert hat­te.

Ein­zi­ge städ­ti­sche Gale­rie

Leben wir also in neo­feu­da­len oder olig­ar­chi­schen Ver­hält­nis­sen, dass sowohl der Betrieb als auch die Schlie­ßung einer städ­ti­schen Gale­rie von der Lieb­ha­be­rei oder Anti­pa­thie eines ein­zel­nen Mana­gers abhän­gen? Was sagen die Rats­her­ren und -damen im Auf­sichts­rat der Spar­kas­se zum Weg­fall der ein­zi­gen städ­ti­schen Gale­rie ange­sichts eines Bewer­bungs­ver­suchs um die Euro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt? Und wo blei­ben die Pro­tes­te der Spar­kas­sen­kun­den?

Immer­hin muss­te das groß­zü­gig sanier­te und zen­tral in der nörd­li­chen Innen­stadt gele­ge­ne Gebäu­de man­gels Alter­na­ti­ven not­ge­drun­gen die Rol­le einer städ­ti­schen Kunst­hal­le erfül­len. In Zei­ten, als in der Moritz­burg zum x. Mal die Samm­lung Ger­lin­ger prä­sen­tiert wur­de, war­te­te das Kunst­fo­rum mit zeit­ge­nös­si­scher afri­ka­ni­scher Kunst, Rus­si­schen Meis­ter­blät­tern, DDR-Foto­gra­fie oder Man­ga-Comics, aber auch mit Werk­schau­en gro­ßer Hal­le­scher Künst­ler des 20. Jahr­hun­derts oder zeit­ge­nös­si­schen regio­na­len Künst­lern auf. Neben wech­seln­den Aus­stel­lun­gen, Lesun­gen, Kon­zer­ten, Publi­ka­tio­nen und kunst­päd­ago­gi­schen Pro­jek­ten wur­den mit den Stif­tungs­gel­dern sogar spek­ta­ku­lä­re Ankäu­fe finan­ziert.

Ver­lust nicht zu bezif­fern

Mit dem Ende der jetzt lau­fen­den Aus­stel­lung mit Wer­ken von Was­ja Göt­ze soll im Kunst­fo­rum das Licht aus­ge­hen. Dem Hal­le­schen Kul­tur­le­ben ent­steht dadurch ein noch nicht abseh­ba­rer Ver­lust. Hät­te in Zei­ten der aus­sichts­lo­sen Ren­di­te­kämp­fe an den Kapi­tal­märk­ten nicht wenigs­tens die Ein­sicht wach­sen kön­nen, dass es sich bei Kunst nie­mals um ein Minus­ge­schäft, son­dern im Gegen­teil um einen Garan­tie­ge­winn han­delt?

Foto: Drei von Drei­tau­send Besucher*innen der Aus­stel­lung "Erwin Hahs - Prot­ago­nist der Moder­ne in Hal­le" im Kunst­fo­rum  Hal­le 2014  © Jörg Wun­der­lich

http://www.kunstforum-halle.de/

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