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Bedenk­li­che Abschüsse

Es geht um neue Ver­ord­nun­gen unse­rer Lan­des­re­gie­rung in Sachen Natur. Seit Jah­ren kämp­fen Angel- und Fische­rei­ver­bände gegen einen schwar­zen Vogel. Seit Jah­ren kämp­fen Umwelt­ver­bände für den Vogel und sei­nen Lebens­raum. Nun ist es Sach­sen-Anhalts Lan­des­re­gie­rung gelun­gen, als letz­tes Bun­des­land eine unglaub­li­che Ver­ord­nung her­aus­zu­ge­ben, die alle ande­ren Bun­des­län­der in den Schat­ten stellt. Bis­her hatte man Umwelt­ver­bän­den Stel­lung­nah­men vor­her abver­langt, um einen gemein­sa­men Kon­sens zu fin­den. Diese Pra­xis ist nun begra­ben wor­den. Die Ver­ord­nung ist gül­tig und es gibt nur noch die Mög­lich­keit, Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen. Offen­bar möchte man, dass durch Kla­gen den Umwelt­ver­bän­den nun gänz­lich die finan­zi­elle Luft aus­geht.

Doch nun zum eigent­li­chen Dilemma. Die schwar­zen Vögel, es geht hier um den Kor­mo­ran (Pha­la­cro­co­rax carbo), fres­sen Fisch. Die­ses Ver­hal­ten unter­schei­det sie eigent­lich nicht vom Eis­vo­gel, Fisch- oder See­ad­ler, Hau­ben­tau­cher, Fisch­rei­her, Otter und vie­len ande­ren Tie­ren. Doch der Feh­ler die­ser Vögel ist womög­lich das schwarze Feder­kleid. Ähn­li­ches Schick­sal der Unbe­liebt­heit tei­len sie mit Krä­hen- und Raben­vö­geln, wor­un­ter ja auch Els­tern zäh­len. Schwarz ist also nicht beliebt in der Bevöl­ke­rung. Der Hass der Ang­ler und Fischer geht nun soweit, dass er unsere Lan­des­re­gie­rung zu einer Abschuss­ver­ord­nung geführt hat. Ja, Sie hören rich­tig. Die­ser Vogel soll in Sach­sen Anhalt aus­ge­rot­tet wer­den! Doch dum­mer­weise inter­es­sie­ren sich Jäger nicht son­der­lich für diese Erlaub­nis zum Töten. Der Abschuss kos­tet Geld für Muni­tion, stört durch den Schuss­lärm ihr eigent­li­ches Ziel­wild, ver­langt das Vor­han­den­s­ein eines aus­ge­bil­de­ten Appor­tier­hun­des und macht Mühe in der Ent­sor­gung erleg­ter Tiere, da das Flei­sch nicht schmack­haft und des­halb nicht ver­käuf­lich ist.

Offen­bar hat man mit dem Jagd­ver­bän­den vor­her gespro­chen, im Gegen­satz zu den Umwelt­ver­bän­den. Denn die Ver­ord­nung möchte ande­ren Per­so­nen diese Auf­gabe über­tra­gen. Per­so­nen, die im Besitz eines gül­ti­gen Waf­fen­scheins sind, ist es jetzt erlaubt. Sie wer­den regel­recht dazu auf­ge­for­dert, die­sen Vögeln nach­zu­stel­len. Sie sol­len Brut­plätze aus­fin­dig machen und diese durch Abschuss ver­nich­ten. Erst nach Aus­lö­schung die­ser Kolo­nien ist die zustän­dige Behörde zu unter­rich­ten! Was für eine völ­lig neue Dimen­sion!

Wer sind nun diese Per­so­nen, wel­che auf­ge­for­dert sind, an unse­ren Gewäs­sern für „Ord­nung” zu sor­gen? Sind es Sport­schüt­zen­ver­eine, wel­che nun vom Schieß­platz in die wilde Natur zie­hen und aus ihrem Sport ein Aben­teuer machen kön­nen? Sind es Ang­ler, die sich nun zusätz­lich zur Angel­aus­rüs­tung noch bewaff­nen? Unse­res Wis­sens wird einem Jäger das Tra­gen der Waffe zeit­lich begrenzt ange­ra­ten. Wie und wo wird den künf­ti­gen Per­so­nen der Umgang mit Waf­fen in der Öffent­lich­keit erlaubt? Wie kann man die sach­ge­rechte Ent­sor­gung der Tiere sicher­stel­len? Kann man den berech­tig­ten Per­so­nen über­haupt die Sach­kennt­nis und die Selbst­dis­zi­plin abver­lan­gen, wirk­lich nur den Kor­mo­ran zu erle­gen auch wenn das Schuss­fie­ber erst ein­mal aus­ge­bro­chen und der Vogel sel­ten gewor­den ist?

Ers­tens ist es sehr zwei­fel­haft, mit die­ser Methode über­haupt Erfolg zu haben, denn Brut­nach­weise sind in Sach­sen-Anhalt eher sel­ten. Die meis­ten hier zu erle­ben­den Vögel sind Durch­zie­her, die in Finn­land rie­sige Kolo­nien bil­den und dort nie­man­den stö­ren. Zwei­tens feh­len ent­spre­chende wis­sen­schaft­li­che Nach­weise, die bele­gen, dass aus­ge­rech­net der Kor­mo­ran bestimmte Fisch­ar­ten gefähr­det. Beson­ders die Äsche soll er dezi­mie­ren, deren Flei­sch die Ang­ler hoch schät­zen, die jedoch kaum in unter­such­ten Kor­mor­an­mä­gen nach­ge­wie­sen wer­den konn­ten.

Schlimm ist die Art und Weise, in der mit den Umwelt­ver­bän­den umge­gan­gen wird. Sind es doch die ehren­amt­li­chen Orni­tho­lo­gen, wel­che die Bestände doku­men­tie­ren und Nach­weise erar­bei­ten. Nach wel­chen Kri­te­rien will man denn in Zukunft Gefähr­dun­gen fest­le­gen?

Diese Ver­ord­nung ist hoch­gra­dig aben­teu­er­lich. Die Beden­ken betref­fen zum einen die zuneh­mende Bewaff­nung der Bevöl­ke­rung und zum ande­ren in die zuneh­mende unqua­li­fi­zierte Stö­rung emp­find­li­cher Gewäs­ser­be­rei­che. Was sol­len wir tun? Was­ser­vö­gel ste­hen in Deutsch­land unter beson­de­rem Schutz. Das Tier­schutz­ge­setz ver­bie­tet es, Tiere ohne beson­de­ren Grund zu töten oder ihnen Schmer­zen zuzu­fü­gen. Sol­len wir jetzt begin­nen, Spen­den zu sam­meln, um uns mit­tels Klage dage­gen zu weh­ren? Sind Sie dafür, dass wir Kla­gen soll­ten? Die Hoff­nung auf Ver­nunft ist jeden­falls jetzt schon erschos­sen.

Text & Foto: Stef­fen Neubert/ NABU Halle

Ein Kommentar zu “Bedenk­li­che Abschüsse

  1. Sind Sie Vogel­schüt­zer oder Natur­schüt­zer?
    Letz­te­res darf getrost bezwei­felt wer­den.

    Auch Fische haben ein Recht auf Art­erhal­tung. Ihre Aus­füh­run­gen ver­harm­lo­sen den Sach­ver­halt.

    Die Kor­mor­an­plage ver­nich­tet nach­weis­lich Fisch­be­stände.
    Hätte man schon frü­her sich auf EU-weite Maß­nah­men geei­nigt, käme es jetzt nicht zu Über­trei­bun­gen.

    Aber mit dem Kor­mo­ran lässt es sich ja prima Mit­glie­der wer­ben und die Stim­mung gegen die bösen Ang­ler anhei­zen.

    Der NABU neigt zu Spe­zie­sis­mus – Vögel wich­ti­ger als Fische – und das kann ein auf­rech­ter Natur­schüt­zer nicht tole­rie­ren.

    Sie soll­ten sich bes­ser infor­mie­ren und dann schrei­ben. Z.B. hier http://www.jawina.de/harmloser-vogel-von-wegen/

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