Georg Büchner: "Leonce und Lena": König Peter vom Königreich Popo hält eine Rede

Ein­fach schö­nes Thea­ter

Das freie Thea­ter varo­mo­di spielt Büch­ners Lust­spiel „Leon­ce und Lena“ bis Ende August im Volks­park.  Eine gelun­ge­ne Insze­nie­rung von Anna Sieg­mund-Schult­ze zum Abschluss unse­rer Som­mer­thea­ter-Serie.

Schwie­ri­ges Lust­spiel

„Leon­ce und Lena“ (1836)  ist kein ein­fa­ches Stück. Für den Leser nicht und für die Büh­ne auch nicht. Ers­te­rer mag das Werk aus der Hand legen, weil die Dia­lo­ge brü­chig  sind und übers erträg­li­che Maß hin­aus mit Spra­che jon­glie­ren. Das Thea­ter wie­der muss mit der der Schwie­rig­keit klar­kom­men, dass die Figu­ren Cha­rak­te­re UND Rol­len­ty­pen oder Mas­ken sind. Mit den Cha­rak­te­ren füh­len wir mit, die Mas­ken wen­den alles ins Komi­sche.

Der Insze­nie­rung von Anna Sieg­mund-Schult­ze ist es gelun­gen, das Stück in der Schwe­be zu hal­ten, Komi­sches und Emp­find­sa­mes glei­cher­ma­ßen gel­ten zu las­sen. So ver­kraf­tet die Insze­nie­rung auch Über­zeich­nun­gen (wie die des Prä­si­den­ten oder der Gou­ver­nan­te), ohne ins Lächer­li­che abzu­glei­ten.

Hei­ra­ten oder nicht hei­ra­ten

Prinz Leon­ce vom Minia­tur-König­reich Popo flieht aus sei­nem inhalts­lo­sen Leben mit dem Tau­ge­nichts Vale­rio vor sei­ner Ver­hei­ra­tung (mit Prin­zes­sin Lena vom König­rei­che Popo) nach Ita­li­en, ins Land Ver­gils, den Sehn­suchts­ort der deut­schen Klas­sik. Unter­wegs begeg­net er der gleich­falls vor ihrer Ver­hei­ra­tung (mit ihm) geflo­he­nen Prin­zes­sin Lena, sie fin­den ein­an­der über die­sel­be roman­tisch auf­ge­la­de­ne Spra­che, hei­ra­ten mit Vale­ri­os Hil­fe als Auto­ma­ten hin­ter Mas­ken. Die Ein­wil­li­gung des Königs bekom­men sie, weil er sich die für den Hoch­zeits­tag geplan­te Freu­de nicht ver­der­ben las­sen will. Alle erfah­ren erst am Schluss, dass die für­ein­an­der Vor­ge­se­he­nen ver­hei­ra­tet wur­den.

Zeit­al­ter des Müßig­gangs

Leon­ce und Lena ste­hen starr, als sie mer­ken, dass ihre freie Ent­schei­dung eine Illu­si­on war. Der Zuschau­er fühlt ihr Ent­set­zen nach und kann doch über die Komik der Geschich­te lachen.

"Leonce und Lena", varomodi 2018, Inszenierung Anna-Siegmund-Schultze

"Leon­ce und Lena", Thea­ter varo­mo­di im Volks­park

Vale­rio, dem das Amt eines Staats­mi­nis­ters ver­spo­chen ist, ver­kün­det ein Zeit­al­ter des Müßig­gangs, in dem, „wer sich krank arbei­tet, kri­mi­na­lis­tisch straf­bar ist“ und „jeder, der sich rühmt sein Brot im Schwei­ße sei­nes Ange­sichts zu essen, für ver­rückt und der mensch­li­chen Gesell­schaft gefähr­lich erklärt wird“. Was für eine Uto­pie! (Das schreit doch nach dem bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men!)

Die Bezü­ge auf die gro­ßen Fra­gen und die Dich­tung der (Büchner-)Zeit sind zahl­reich. Die Insze­nie­rung ver­sucht nicht, sie zu erklä­ren. Sie lässt sie ihm Spiel mit­schwin­gen. Kos­tü­me, Büh­nen­bild und Musik (viel Schu­bert) schwin­gen mit. Schön. Ein anre­gen­des und gelun­ge­nes Stück Nicht-Regie-Thea­ter.

Unbe­dingt anse­hen!

 

Ter­mi­ne: 21., 22., 23. ,29., 30. August und der 2. Sep­tem­ber.

 

 

 

 

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