„Wir blei­ben län­ger wach!“ Neu­es Thea­ter wur­de 48 Stun­den lang besetzt

Mit einer wei­te­ren unge­wöhn­li­che Akti­on ging der Pro­test gegen die Kür­zun­gen im Kul­tur­be­reich wei­ter: Nach der letz­ten „5 vor 12“-Aktion, bei dem tau­sen­de Hal­len­ser mit einem Later­nen­um­zug demons­trier­ten, ver­kün­de­ten die Betrei­ber des neu­en Thea­ters Anfang Dezem­ber spon­tan, dass die Bür­ger der Stadt Hal­le „ihr“ Thea­ter beset­zen sol­len.

Vom 10. bis 12. Dezem­ber öff­ne­te die Kul­tur­in­sel ihre Pfor­ten: Mit öffent­li­chen Pro­ben, Work­shops, Lager­feu­er, Glüh­wein und vie­lem mehr soli­da­ri­sier­ten sich die Hal­le­schen Bür­ger mit ihrem Thea­ter.

Der Ter­min für die Beset­zung war nicht zufäl­lig gewählt: Am Mitt­woch, den 11. Dezem­ber ver­ab­schie­de­te der Mag­de­bur­ger Land­tag den neu­en Haus­halts­plan für 2014 und schrieb damit die ers­ten Kür­zu­na­gen im Kul­tur­be­reich fest. Am Mitt­woch­abend, dem zwei­ten Tag der Pro­test­ak­ti­on und kurz nach der Land­tags­sit­zung, dis­ku­tier­ten die Thea­ter­in­ten­dan­ten von Hal­le, Eis­le­ben und Des­sau mit den Abge­ord­ne­ten: „Was ist da heu­te in Mag­de­burg pas­siert?“, frag­te Mat­thi­as Bren­ner, Inten­dant des neu­en Thea­ters Hal­le, zu Beginn. Und tat­säch­lich: Unter den rund 100 Besu­chern merkt man, dass vie­le immer noch geschockt und depri­miert sind, dass die Kür­zun­gen nun tat­säch­lich kom­men. „Wir müs­sen sehen, wie wir jetzt mit der Situa­ti­on umge­hen“, schil­der­te Ober­bür­ger­meis­ter Bernd Wie­gand sei­ne Ein­drü­cke der Sit­zung, die er als Gast besuch­te. Dann wur­de die Debat­te sehr emo­tio­nal: Nach 40.000 gesam­mel­ten Unter­schrif­ten gegen die Kür­zungs­plä­ne, vie­len Demons­tra­tio­nen und Aktio­nen will man sich nach die­ser Nie­der­la­ge nicht geschla­gen geben: „Die Fra­ge ist nicht ob, son­dern wie wei­ter pro­tes­tiert wird“, ver­kün­de­te Mat­thi­as Bren­ner prompt. Ulrich Fischer, Inten­dant des Thea­ters Eis­le­ben, kom­men­tier­te die Kür­zun­gen, die mit dem Ziel einer „zukunfts­fä­hi­gen Struk­tur“ von der Lan­des­re­gie­rung begrün­det wer­den, nur so: „Im schritt­wei­sen Kür­zen der Kul­tur­för­de­rung wird kei­ne ,zukunfts­fä­hi­ge Struk­tur' ent­ste­hen.“ Eben­so ver­är­gert über den man­geln­den Respekt in der vor­an­ge­gan­ge­ne Aus­schuss­sit­zung im Land­tag war Wulf Gal­lert (Die Lin­ke): „Die­se Igno­ranz [der Lan­des­re­gie­rung] ist schon eine Form von Demü­ti­gung.“

Besetzung NT 02

Ins­ge­samt war die Thea­ter­be­set­zung doch eher eine lan­ge Demons­tra­ti­on mit gut aus­ge­wähl­tem Pro­gramm als ein links­ra­di­ka­ler Boy­kott. Trotz­dem setz­ten die Ver­ant­wort­li­chen der Thea­ter ein star­kes Zei­chen: Sie wer­den den Pro­test nicht auf­ge­ben, son­dern blei­ben län­ger wach.

Text & Fotos: Mar­kus Kowal­ski

Kommentar verfassen