Leip­zig gegen den Krieg

Wäh­rend eine Auf­klä­rung des mög­li­chen Gift­gas­an­griffs auf die syri­sche Stadt Dou­ma wei­ter auf sich war­ten lässt, flo­gen die drei Atom­mäch­te USA, Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich völ­ker­recht­lich unge­deck­te Rake­ten­an­grif­fe gegen syri­sche Zie­le. In die­ser Situa­ti­on rief das klei­ne unab­hän­gi­ge Lokal­me­di­um "Der Sta­chel Leip­zig" zu einer Kund­ge­bung "Eska­la­ti­on zwi­schen Atom­mäch­ten stop­pen, Welt­krieg ver­hin­dern!" am Leip­zi­ger Leu­sch­ner­platz auf.

An der Pro­pa­gan­da­front schlug den nur mäßig besorg­ten Bür­gern bis dato wil­de bel­li­zis­ti­sche Het­ze gegen Syri­en und Russ­land ent­ge­gen. Immer­hin etwa 100 frie­dens­be­weg­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger fan­den sich am Mon­tag, dem 16. April ein, um ein Zei­chen zu set­zen, dar­un­ter auch Redak­ti­ons­mit­glie­der der "Hal­le­schen Stö­rung". Wie die Kriegs­pro­pa­gan­da wirkt, ließ sich schon in Hal­les Bahn­hofs­lounge fest­stel­len, wo uns die Kell­ne­rin erklär­te, dass "gegen Gewalt nur Gewalt hel­fe". Als Argu­men­ta­ti­ons­hil­fen dien­ten ihr dabei die aus­lie­gen­de BILD-Zei­tung und N-TV auf dem Fern­se­her über der The­ke..

Alles noch ein­mal gut gegan­gen. Wie schnell doch ver­ges­sen wird, dass wir uns am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de in einer für den Welt­frie­den äußerst gefähr­li­che Situa­ti­on befun­den haben. Am 15.04.2018 äußer­ten sich mehr als 30 Mit­glie­der des Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats des glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Netz­wer­kes von Attac, alle­samt Pro­fes­so­ren und Dok­to­ren, in einer Erklä­rung besorgt und for­der­ten die Bun­des­re­gie­rung dazu auf, „sich von der Poli­tik der Regie­run­gen in Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und den USA, klar zu distan­zie­ren und deut­sche AWACS-Flug­zeu­ge im Rah­men der US - geführ­ten „Anti-IS-Alli­anz“ sofort zurück­zu­be­or­dern.“

Sie erklär­ten Gift­gas­ein­sät­ze zu Kriegs­ver­bre­chen, die vor dem Haa­ger Tri­bu­nal mit ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen ver­han­delt wer­den müss­ten. Krie­ge­ri­sche Hand­lun­gen auf Grund von Mut­ma­ßun­gen durch einen Staat oder ein Bünd­nis von Staa­ten sei­en jedoch selbst vor das Kriegs­ver­bre­cher­tri­bu­nal zu stel­len.

Bis­lang kaum kri­ti­sche Gegen­öf­fent­lich­keit

Friedensdemo Leipzig am 16. April 2018

Rede­bei­trag von Hel­mut Kalex vom 'Sta­chel'

In den Reden auf der Leip­zi­ger Demons­tra­ti­on vom Mon­tag wur­de immer wie­der auf die Ein­sei­tig­keit der Medi­en­be­richt­erstat­tung Bezug genom­men. Russ­land wer­de durch die Schuld­zu­wei­sun­gen im Skri­pal - Fall und sei­ne Unter­stüt­zer­rol­le für den angeb­li­chen Gift­gas­mör­der Assad in Syri­en zum Feind erklärt. Der Bom­ben­ein­satz in Syri­en sei zwar teil­wei­se als völ­ker­rechts­wid­rig bezeich­net wor­den, wer­de aber den­noch für not­wen­dig erklärt. Beklagt wur­de, dass es kaum Gegen­öf­fent­lich­keit gäbe.

Und tat­säch­lich fällt auf, dass das Ein­grei­fen der West­mäch­te in Syri­en selbst von eher lin­ken Medi­en wie der taz gerecht­fer­tigt wird. Es sei die Vor­be­din­gung für neue Frie­dens­ge­sprä­che gewe­sen, heißt es sinn­ge­mäß. Es stellt sich spä­tes­tens an die­sem Punkt die Fra­ge: War­um hat man die Syrer wäh­rend der gan­zen sie­ben Jah­re allein gelas­sen, die der Krieg schon währt? Wo waren die hilf­rei­chen West­mäch­te, als die Tür­kei kürz­lich Afrin zer­bomb­te. Um wes­sen Inter­es­sen geht es eigent­lich?


Rede­bei­trä­ge von Mike Nag­ler ( Bünd­nis für Frie­den Leip­zig ) und Hel­mut Kalex ( Sta­chel )
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Bal­lungs­raum Halle/Leipzig wäre ein stra­te­gi­sches Ziel

Gewalt erzeugt Gegen­ge­walt und ist kei­ne Lösung. Dem beson­ne­nen Reagie­ren der rus­si­schen Regie­rung sei es zu dan­ken, dass sich der Kon­flikt nicht zum Krieg aus­ge­wei­tet habe, so die Red­ne­rin­nen wei­ter.

Ins­be­son­de­re von Ver­tre­tern des Bünd­nis­ses „Flug­ha­fen – nato­frei!“ kam die War­nung, dass bei einem krie­ge­ri­schen Kon­flikt zwi­schen Russ­land und den USA auch Deutsch­land unmit­tel­bar in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wäre. Das betrifft nicht nur das Luft­dreh­kreuz Leipzig/Halle, über das bereits der Nach­schub für Afgha­ni­stan orga­ni­siert wird, son­dern ins­be­son­de­re die Air Base Ram­stein in der Pfalz, von wo aus die moder­nen mili­tä­ri­schen US-Inter­ven­tio­nen gelenkt wer­den. Sie ist das Ein­satz­zen­trum für Droh­nen­krie­ge, das Rake­ten­ab­wehr­sys­tem und die auf deut­schem Boden lagern­den US-Atom­waf­fen.

Im Wes­ten nicht Neu­es

Kon­zep­te für Ent­span­nungs­po­li­tik sind in den letz­ten Jah­ren nicht wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den, wur­de beklagt Statt­des­sen wird der Ruf nach Waf­fen immer lau­ter. Die Rüs­tungs­aus­ga­ben stei­gen kon­ti­nu­ier­lich. Die Auf­rüs­tungs­pi­ra­le dreht sich.

Und bald schon könn­te es wie­der brenz­lig wer­den. Des­halb rufen Hel­ga Lem­me und "Leip­zig gegen den Krieg" auf, am Mon­tag, den 24. April um 18 Uhr am klei­nen Wil­helm-Leu­sch­ner-Platz gegen die Kriegs­trei­ber auf die Stra­ße zu gehen. Der Sta­chel Leip­zig schließt sich an und ver­öf­fent­licht den kom­plet­ten Auf­ruf auf sei­ner Face­book-Sei­te: Wir wol­len Frie­den!

 

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