Stadt­bahn­pro­jekt fina­le gran­de ? Was kommt auf die nörd­li­che Innen­stadt und Gie­bichen­stein zu?

Was haben die Pla­ta­nen­fäl­lun­gen in Hei­de-Süd, der Bei­na­he-Abriss des 188 oder die End­lossper­run­gen von zen­tra­len Ver­kehrs­ach­sen wie Mer­se­bur­ger Stra­ße oder Stein­stra­ße gemein­sam? Sie sind Begleit­erschei­nun­gen des gigan­to­ma­ni­schen 300 Mil­lio­nen Euro schwe­ren Stadt­bahn­pro­gramms, des­sen Bau­ge­sche­hen seit Jah­ren die Ein­zel­händ­ler zum Auf­ge­ben zwingt, und das den inner­städ­ti­schen Baum­be­stand dra­ma­tisch schwin­den lässt.

Dickes Ende namens 'Stu­fe 3'

Wer nun glaubt dass mit der bal­di­gen Fer­tig­stel­lung rund um Stein­tor und Opern­haus wie­der so etwas wie Ruhe oder Nor­mal­zu­stand ein­tre­ten wird, irrt. Das dicke Ende kommt noch und heißt Stu­fe 3. Die­se Pha­se beinhal­tet unter ande­rem einen kom­plet­ten Umbau der Bern­bur­ger Stra­ße, inklu­si­ve Baum­fäl­lun­gen, Stre­cken­ver­le­gun­gen und Teil­schlie­ßun­gen der Tram­li­ni­en 3 und 8 bis hin zu einer fast vier­jäh­ri­gen Voll­sper­rung der Richard-Wag­ner-Stra­ße und einer mög­li­chen Teil­ver­sie­ge­lung des Rosa-Luxem­burg-Plat­zes.

„Quer­schnitts­op­ti­mie­rung“ bedeu­tet, dass den his­to­risch gewach­se­nen engen Hal­le­schen Stra­ßen abs­trak­te Nor­men von Neu­bau­städ­ten auf­ge­zwun­gen wer­den.

Bei sol­chen Pla­nun­gen denkt man unwill­kür­lich an die außer­ir­di­sche Umge­hungs­stra­ße in „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ und erhält sogar die glei­che Ant­wort: „Die Plä­ne dafür lie­gen seit Jah­ren öffent­lich aus – im Zen­trum der Gala­xis, genannt Rat­haus. Einer der sich auf­macht sol­che Doku­men­te zu dechif­frie­ren und den Ver­ant­wort­li­chen Pla­nern und Poli­ti­kern Fra­gen zu stel­len, ist Rod­ney Tho­mas. Schon seit 2015 sorgt er sich unter ande­rem um die Allee­bäu­me in der Bern­bur­ger Stra­ße.

Denn „Quer­schnitts­op­ti­mie­rung“ bedeu­tet, dass den his­to­risch gewach­se­nen engen Hal­le­schen Stra­ßen abs­trak­te Nor­men von Neu­bau­städ­ten auf­ge­zwun­gen wer­den. Tram­schie­nen müs­sen eine sepa­ra­te, nicht mehr von Autos und Fahr­rä­dern befahr­ba­re Spur ver­legt wer­den, Rad – und Fuß­gän­ger­we­ge ver­brei­tert und Hal­te­stel­len gestri­chen wer­den, um Potem­kin­sche Zeit­er­spar­nis­se her­aus­zu­schin­den. Um an die begehr­ten För­der­töp­fe zu kom­men, muss 'regel­kon­form' gebaut wer­den – gegen his­to­risch gewach­se­ne Struk­tu­ren und gegen die Natur.

Bür­ger­be­tei­li­gung wird nur simu­liert

Muss diese Platane einer Tramschiene weichen?

Bür­ger-Akti­vist Rod­ney Tho­mas mit den Stadt­bahn­plä­nen an einer bedroh­ten Pla­ta­ne

Aktiv wur­de Rod­ney Tho­mas als Anwoh­ner der Les­sing­stra­ße, der ein sol­ches Sze­na­rio droh­te. Schon damals kri­ti­sier­te Tho­mas bei den Bür­ger­fra­ge­stun­den, dass so etwas wie Bür­ger­be­tei­li­gung in öffent­li­chen Bau­pla­nungs­fra­gen in Hal­le nur simu­liert wird. „Für die Ver­ant­wort­li­chen ist es nur eine Fra­ge des Über­ste­hens. Die infor­mie­ren über die fer­ti­gen Plä­ne, sit­zen dort, beant­wor­ten alles, es gibt aber kei­ne Abstim­mun­gen, kei­ne Ände­rung, erle­digt.“

So erleb­te es Rod­ney Tho­mas immer wie­der, ob nun beim geplan­ten Abriss des 188, den er gemein­sam mit drei Bür­gern auf juris­ti­schem Weg ver­hin­dern konn­te, oder auch bei einer Ver­an­stal­tung in der Dürer­schu­le zu Plä­nen im Pau­lus­vier­tel. „Alle 200 Leu­te dort haben nur geschimpft. Der HWG-Chef und der Ober­bür­ger­meis­ter saßen auf der Büh­ne. Das wars.“

Eigent­lich hät­ten im Janu­ar 2019 die Beschlüs­se zu Stu­fe 3 erfol­gen sol­len, weiß Rod­ney Tho­mas, wur­den aber, wie er ver­mu­tet, wegen der anste­hen­den Wah­len noch ver­scho­ben. Denn das Rat­haus kennt sehr wohl das kri­ti­sche Poten­zi­al in der nörd­li­chen Innen­stadt.

"Die Bür­ger wachen immer erst auf , wenn es fast zu spät ist oder das Kind schon tief im Brun­nen.“

Dabei kann Bür­ger­be­tei­li­gung, so wie Rod­ney Tho­mas sie aus sei­ner kali­for­ni­schen Hei­mat kennt, auch bedeu­ten, dass Men­schen gemein­sam mit ver­ant­wort­li­chen die bes­se­ren Lösun­gen fin­den. „Wenn wir eine neue Tram-Hal­te­stel­le vor der Spar­kas­se Bern­bur­ger Stra­ße den­ken, dann könn­ten die Num­mern 8, 3, und 7 dort hal­ten. Alle Leu­te könn­ten umstei­gen. Und dazwi­schen wür­den alle die­se Geschäf­te sein - per­fekt. Es ist breit genug für Bar­rie­re­frei­heit und auch kein ein­zi­ger Baum stün­de dort im Wege.“ Aber es gibt kei­ne Bür­ger­ver­an­stal­tung, wo Rod­ney Tho­mas sich für die­sen Vor­schlag ein­set­zen könn­te. „Die Men­schen in den Inge­nieur­bü­ros und von der Stadt­pla­nung sind an ihre Regeln gebun­den. Und die sagen, es passt nicht mit der Hal­te­stel­le, weil zu nah am Reil­eck. Und die Bür­ger wachen immer erst auf , wenn es fast zu spät ist oder das Kind schon tief im Brun­nen.“

Ein­mi­schen lohnt sich

Dabei ist eine mög­lichst frü­he Ein­mi­schung ein gang­ba­rer Weg, denn die För­der­mit­te­leva­lu­ie­rung erfolgt nach einem abs­trak­ten Punk­te­sys­tem. Wird an einer Stel­le etwas nicht erfüllt, kön­nen die Pla­ner an ande­rer Stel­le es wie­der aus­glei­chen. Wer sich ein­setzt für den Erhalt einer Hal­te­stel­le oder eines Baum­be­stan­des, kann also durch­aus etwas errei­chen. Die ech­te Bür­ger­be­tei­li­gung bei der Ent­wick­lung von Frei­im­fel­de, auf die Hal­le so stolz ist, soll­te zum Maß­stab wer­den, nicht zum Aus­nah­me-Ali­bi-Leucht­turm.

Man­geln­de Trans­pa­renz kann man dem Rat­haus nicht direkt vor­wer­fen – die Plä­ne sind öffent­lich und im Inter­net ein­seh­bar. Es braucht akti­ve Bür­ger und Akti­vis­ten wie Rod­ney Tho­mas, unab­hän­gi­ge und kri­ti­sche Lokal­me­di­en, und viel­leicht eine neue Bür­ger­initia­ti­ve. Dann könn­ten wir gemein­sam die Lebens­qua­li­tät in der Nörd­li­chen Innen­stadt erhal­ten – und trotz­dem moder­ne­re Ver­kehrs­an­la­gen bekom­men.

 

4 Kommentare zu “Stadt­bahn­pro­jekt fina­le gran­de ? Was kommt auf die nörd­li­che Innen­stadt und Gie­bichen­stein zu?

  1. LETZTENDLICH: Eine städ­ti­sche Ver­an­stal­tung zum The­ma: Gie­bichen­stein ret­ten.
    Bür­ger­dia­log "Stadt­bahn Hal­le" - Ein­ma­li­ge Chan­ce !!

    Wann? Mon­tag, dem 1. Juli 2019, 18 Uhr
    Wo? im Dia­ko­nie­werk, Lafon­tai­ne­st­ra­ße 15 (Haupt­ein­gang), Mut­ter­saal

    Dank an den Ein­woh­ner im Gie­bichen­stein und dank an der hal­le­schen stö­rung haben die Stadt, HAVAG, der Bereich Pla­nen und die Stadt­wer­ke Hal­le letzt­end­lich einen Bür­ger­dia­log und ent­spre­chen­de Ver­an­stal­tung ankün­digt---aber nur sehr knapp bevor die Ver­an­stal­tung eigent­lich statt­fin­det!

    Wir begrü­ßen Ihre Teil­nah­me, sodass wir jeg­li­che mas­si­ve Abhol­zung der Stadt­bäu­me und Abriss der alten städ­te­bau­li­chen Sub­stanz ver­hin­dern kön­nen.

    Laut der städ­ti­sche Pres­se­mit­tei­lung: "Rene Rebenstorf, Bei­geord­ne­ter für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt, lädt alle Inter­es­sier­ten ein, sich in den Bür­ger­dia­log „Stadt­bahn Hal­le“ ein­zu­brin­gen.

    "Die Stadt Hal­le (Saa­le), Fach­be­reich Pla­nen, die Stadt­wer­ke Hal­le GmbH und die Hal­le­sche Ver­kehrs-AG möch­ten mit der Bür­ger­schaft zu den wei­te­ren und zukünf­ti­gen Vor­ha­ben des Pro­gramms Stadt­bahn ins Gespräch kom­men."

  2. Noch 2 Mög­lich­kei­ten:

    1) Unse­re Online-Peti­ti­on unter­zeich­nen. "Kei­ne Baum­fäl­lun­gen & kein Gebäu­de­ab­riß
    in Gie­bichen­stein & Bern­bur­ger Stra­ße, Hal­le (Saa­le)"

    Link zur Peti­ti­on: https://www.openpetition.de/petition/online/keine-baumfaellungen-kein-gebaeudeabriss-in-giebichenstein-bernburger-strasse-halle-saale-2

    2) Was kön­nen wir tun, eine wahr­schein­li­che teil­wei­se Abhol­zung der Bäu­me im Rosa-Luxemburg-Platz,entlang der Richard-Wag­ner-Stra­ße und der Bern­bur­ger Stra­ße zu ver­hin­dern?

    Letz­te öffent­li­che Sit­zung des Stadt­rats bevor der Kom­mu­nal­wahl: Wir sol­len die Sit­zung des Aus­schus­ses für Pla­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten am 14. Mai um 17:00 besu­chen und unse­re Fra­gen stel­len. Man muss ca 10-15 Minu­ten vor­her Anmel­den. Das Anmel­dungs­for­mu­lar ist von der Pro­to­kol­lan­tin erhält­lich.

    ORT: Stadt­haus am Markt­platz-Süd­sei­te, 2. Stock, "Klei­ner Saal" links.

  3. Wir brau­chen: "jung &naiv" für Hal­le. Scha­de dass radio corax dafür nicht in Fra­ge kommt. Aber es geht ja auch ohne ideo­lo­gisch fest­ge­leg­te jun­ge Leu­te.... Wer ist dabei?

  4. Besu­chen Sie bit­te Rod­neys Info­stand am 20. & 21. April am Rosa-Luxem­burg-Platz zwi­schen 11 Uhr und 17 Uhr. ORT: Geh­weg mit­ten im Rosa-Luxem­burg-Platz gegen­über Cafe Rosen­burg, und infor­mie­ren Sie sich über die zer­stö­re­ri­schen HAVAG & städ­ti­schen Plä­ne für Gie­bichen­stein, Reil­eck und Bern­bur­ger Stra­ße.

    Was kön­nen wir tun, eine wahr­schein­li­che teil­wei­se Abhol­zung der Bäu­me im Rosa-Luxemburg-Platz,entlang der Richard-Wag­ner-Stra­ße und der Bern­bur­ger Stra­ße zu ver­hin­dern?

    Sofor­tig Aktio­nen:

    1) Wir sol­len die Stadt­rats­sit­zung am 24. April um 14:00 Uhr besu­chen. Dort fin­det die Ein­woh­ner­fra­ge­stun­de am Anfang der monat­li­chen Sit­zung des hal­le­schen Stadt­rats statt. ORT: Stadt­haus, Fest­saal auf den 2. Stock. Kom­men Sie frü­her, das ein­fa­che Mel­dungs­for­mu­lar aus­zu­fül­len und ein­zu­rei­chen. Man bekommt 3 Minu­ten Ihre Mei­nung zu äußern und eine Fra­ge zu stel­len. Man darf zwei Zusatz­fra­gen stel­len. Ich wer­de dabei sein.

    2) Wir sol­len auch die Sit­zung des Aus­schus­ses für Stadt­en­wick­lung am 25. April um 16:30 besu­chen und unse­re Fra­gen stel­len. ORT: Stadt­haus am Markt­platz-Süd­sei­te, 2. Stock, "Klei­ner Saal" links.

    3) Wir sol­len auch die Sit­zung des Aus­schus­ses für Pla­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten am 14. Mai um 17:00 besu­chen und unse­re Fra­gen stel­len. ORT: Stadt­haus am Markt­platz-Süd­sei­te, 2. Stock, "Klei­ner Saal" links.

    Mit einem wei­te­ren Kom­men­tar wer­de ich Kon­takt-Info für die ent­spre­chen­den Stadt­rä­tin­nen und Stadt­rä­te für Wahl­be­reich 2 (Giebichenstein/Kröllwitz/Reileck) und Wahl­be­reich 3 (Paulusviertel/Bernburger Straße/Reileck), sowie HAVAG und Stadt­ver­wal­tungs­kon­tak­te, ein­tra­gen.

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