Ver­schwin­den­de Ver­mächt­nis­se. Inter­na­tio­na­le Kunst in den natur­wis­sen­schaft­li­chen Samm­lun­gen der MLU

Über­lie­fer­te Bil­der von Natur ste­hen heu­te im Wider­spruch zu Arten­ster­ben, Ent­wal­dung und Kli­ma­wan­del. Haben Ein­grif­fe in die Land­nut­zung, öko­lo­gi­sche Beein­träch­ti­gun­gen und die Aus­rot­tung von Arten seit­her eine neue, gestör­te Natur­ge­schich­te geschaf­fen? Die Aus­stel­lung "Ver­schwin­den­de Ver­mächt­nis­se: Die Welt als Wald" prä­sen­tiert künst­le­ri­sche Wer­ke, die einem roman­ti­schen Bild von unbe­rühr­ter Natur wider­spre­chen.

14 Instal­la­tio­nen, Foto­gra­fi­en, Skulp­tu­ren und Fil­me zie­hen Ver­bin­dun­gen von den Expe­di­tio­nen des Natur­for­schers Alfred Rus­sel Wal­lace in das Ama­zo­nas­ge­biet und nach Süd­ost­asi­en im 19. Jahr­hun­dert zu aktu­el­len Umwelt­ver­än­de­run­gen. Mit dabei sind Wer­ke unter ande­rem von Maria The­re­za Alves, Mark Dion und Robert Zhao Ren­hui. Sie prä­sen­tie­ren Bio­di­ver­si­tät im Span­nungs­feld von Wis­sen­schaft und Mono­kul­tur und fra­gen nach den Ver­mächt­nis­sen, die blei­ben, ange­sichts des fort­schrei­ten­den Ver­lus­tes hoch­kom­ple­xer Öko­sys­te­me.

Ein beson­de­res High­light die­ses Teils der Aus­stel­lung ist die Prä­sen­ta­ti­on eini­ger Vogel­bäl­ge, die einst Alfred Rus­sel Wal­lace in Indo­ne­si­en prä­pa­rier­te und die erst kürz­lich in der Samm­lung des Vogel­mu­se­ums Muse­um Hei­nea­num in Hal­ber­stadt wie­der ent­deckt wur­den. Auch wis­sen­schaft­li­che Expo­na­te aus den bota­ni­schen und zoo­lo­gi­schen Samm­lun­gen der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät und der Uni­ver­si­tät Ham­burg wer­den gezeigt. Hier­zu gehört das digi­ta­le 3D-Ren­de­ring des Schä­dels eines Suma­tra-Nas­horns. Das Expo­nat zeigt das Span­nungs­ver­hält­nis von wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis und Ent­na­tu­ra­li­sie­rung. Als CT-Scan dient der Schä­del der Wis­sen­schaft, doch macht er zugleich auf die Situa­ti­on die­ser von der Aus­rot­tung bedroh­ten Tier­art auf­merk­sam. Vie­le der künst­le­ri­schen Arbei­ten wur­den eigens für die Aus­stel­lung ent­wi­ckelt. Auf Bor­neo, Java und Suma­tra führ­ten die Fotograf_innen Armin Lin­ke und Giulia Bru­no gemein­sam mit den Kurator_innen Anna-Sophie Sprin­ger und Eti­en­ne Tur­pin zahl­rei­che Inter­views mit Anwoh­nern, Plan­ta­gen­ar­bei­tern, Klein­bau­ern, Umwelt­schüt­zern, Regie­rungs­be­am­ten und Wis­sen­schaft­lern. Dar­aus ent­stan­den ist ein fil­mi­sches Doku­ment, das die Geschwin­dig­keit reflek­tiert, mit der sich Indo­ne­si­en gegen­wär­tig in eine Palm­öl-Nati­on ver­wan­delt – inmit­ten von gewal­ti­gen Torf­moor­brän­den.

Teil­neh­men­de Künstler_innen

Maria The­re­za Alves, Ari Bayua­ji, Ursu­la Bie­mann, Bik Van der Pol, Shan­non Lee, Castleman/Migrant Eco­lo­gies, Revi­tal Cohen & Tuur van Balen, Mark Dion, Rad­ja­wa­li Irendra/Akademi Dro­ne Indo­ne­sia, Armin Lin­ke mit Giulia Bru­no und Giu­sep­pe Iel­asi, Bar­ba­ra Mar­cel, Juli­an Oli­ver & Crystel­le Vu, PetaBencana.id, SHI­MURAbros, Pau­lo Tavares/autonoma, Robert Zhao Renhui/The Insti­tu­te of Cri­ti­cal Zoo­lo­gists


Ver­schwin­den­de Ver­mächt­nis­se: Die Welt als Wald - Die drit­te Sta­ti­on des drei­tei­li­gen Aus­stel­lungs­zy­klus

20. Okto­ber – 14. Decem­ber 2018

Zen­tral­ma­ga­zin Natur­wis­sen­schaft­li­cher Samm­lun­gen
Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg
Dom­platz 4
D-06108 Halle/Saale

Ver­schwin­den­de Vermächtnisse: Die Welt als Wald ist ein drei­tei­li­ges Pro­jekt von Anna-Sophie Sprin­ger und Dr. Eti­en­ne Tur­pin. Die Wan­der­aus­stel­lung wird vom Cen­trum für Natur­kun­de an der Universität Ham­burg rea­li­siert, wo der ers­te Teil 2017 zu sehen war. 2018 wer­den adap­tier­te Ver­sio­nen bei den Pro­jekt­part­nern gezeigt; vom 27.04. bis 26.08. im Tier­ana­to­mi­schen Thea­ter der Humboldt-Universität zu Ber­lin und vom 20.10. bis 14.12. im Zen­tral­ma­ga­zin Natur­wis­sen­schaft­li­cher Samm­lun­gen an der Martin-Luther-Universität Hal­le-Wit­ten­berg in Halle/Saale. Der Aus­stel­lungs­zy­klus ist eine Koope­ra­ti­on mit der Sche­ring Stif­tung und dem Goe­the-Insti­tut Sin­ga­pur, mit zusätz­li­cher Unter­stüt­zung durch Pro Hel­ve­tia und die Gra­ham Foun­da­ti­on. Das Pro­jekt wird geför­dert durch die Kul­tur­stif­tung des Bun­des.

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