Szene aus Paare in Zeiten der Hysterie" im WuK-Sommertheater 2018

WuK-Som­mer­thea­ter: Paa­re in Zei­ten der Hys­te­rie

Das Mann und Frau sich nicht ver­ste­hen (kön­nen?) ist ein All­ge­mein­platz, der in Lite­ra­tur und Kunst ver­han­delt wird, seit es Lite­ra­tur und Kunst gibt. Nun ist er im Som­mer­thea­ter auf dem Holz­platz ange­kom­men.

„Pfän­ners Frei­heit“ ist der Titel des Som­mer­thea­ters der Werk­stät­ten und Kul­tur am Holz­platz (WuK). Es begann am 1. und endet am 18. August. Teil der Open-Air-Ver­an­stal­tung, die vom Som­mer mit hart­nä­cki­ger Regen­lo­sig­keit unter­stützt wur­de, waren und sind das Som­mer­ki­no (zusam­men mit dem LUCHS­ki­no), Schau­spiel für Kin­der und Erwach­se­ne und Lesun­gen.

„Pfän­ners Frei­heit“ auf Flut­sand

Neben dem­Thea­ter­haus und mit Blick aufs hal­le­sche Kolos­se­um ein Beach­ball-Sand­strand: Flut­sand von 2013 sei das, lässt Haus­herr Tom Wol­ter das Publi­kum wis­sen. Und er erklärt auch den Titel des Fes­ti­vals ein biss­chen näher: Um städ­ti­schen Stolz und Bür­ger­frei­heit gehe es dabei. (Tat­säch­lich hat­te der geld­hung­ri­ge Kar­di­nal Albrecht 1479 die Pfän­ner gezwun­gen, ein Vier­tel ihrer Ein­künf­te an ihn abzu­ge­ben, indem er Besit­zer der sog. Tal­gü­ter wur­de. Außer­dem erließ der ein Innungs­ver­bot, das die Pfän­ner hin­der­te, sich zu orga­ni­sie­ren. Pfän­ners Frei­heit ist also die der frei­en Bür­ger.)

„Paa­re in Zei­ten der Hys­te­rie“

Ein Spie­ler (Ralf Bock­holdt), eine Spie­le­rin (Elsa Wei­se) und eine Bezie­hungs­kis­te sind von der Par­tie, logisch, denn es geht um Paar­pro­ble­me. Tex­te ver­schie­de­ner Auto­ren (Tsche­chow, Dario Fo, Shake­speare, Molie­re) und Sze­nen aus dem eng­li­schen Figu­ren­thea­ter (Punch and Judy) wer­den zusam­men­ge­spon­nen zu einer Art Über­blick, was alles in einer Paar­be­zie­hung schief gehen kann. Schon der Hei­rats­an­trag näm­lich (Tsche­chow), der miss­lingt, weil das zukünf­ti­ge Paar, aus benach­bar­ten Guts­be­sit­zer­fa­mi­li­en, in Streit über eine von bei­den bean­spruch­te Och­sen­wie­se gerät. Bei Punch and  Judy geht dann eigent­lich alles schief, sie ver­ste­hen ein­an­der nicht, fin­den nicht zusam­men ins Bett, dann ist das Baby ver­schwun­den … Das alles lei­der auf Eng­lisch, Punch im Fal­sett („I have the best voice in the world“ behaup­tet er grö­ßen­wahn­sin­nig, „Ever­y­bo­dy can under­stand me“ – unfrei­wil­li­ge Komik?), Judy (Elsa Wei­se) hat ohne­hin eine zar­te Stim­me, sodass die bei­den fast nicht zu ver­ste­hen waren. Aller­lei Bezie­hungs­ob­jek­te wur­den aus der sprich­wört­li­chen Kis­te gezo­gen und erwie­sen sich als untaug­li­cher Bezie­hungs­kitt. End­lich Sze­nen­wech­sel: Shake­speares „Som­mer­nachts­traum“ (nein, zum Glück nicht auf Eng­lisch). Wie immer wun­der­bar, eigent­lich hat der Maes­tro doch schon alles gesagt in die­sem gött­li­chen Stück Lite­ra­tur. Schließ­lich noch ein Paar (er älter, sie jün­ger), das sich krampf­haft um lie­be­vol­len und kul­tur­vol­len Umgang am Ess­tisch bemüht und unver­se­hens über den Vor­tritt zum Mar­me­la­den­glas in unauf­lös­ba­ren Clinch gerät.

Nur Komö­die?

Eigent­lich also fehlt nichts. Und doch: Hat­te der Titel nicht einen grö­ße­ren Wurf ver­spro­chen oder doch wenigs­tens erhof­fen las­sen? Und wo waren sie denn, die "Zei­ten der Hys­te­rie"?

Sicher, es war Komö­die und alles nicht so ernst zu neh­men. Wie die bei­den Spie­ler im Inter­view sagen: Sie hät­ten eher Figu­ren als Cha­rak­te­re dar­stel­len wol­len und so sei nicht um psy­cho­lo­gi­sche Durch­ar­bei­tung, son­dern um die gro­ße Komö­die der miss­lin­gen­den Paar­be­zie­hun­gen gegan­gen.

Ein schö­ner Thea­ter­abend war es auf jeden Fall. Und wie beim Som­mer­thea­ter Muss und Usus: Es gab reich­lich zu lachen. Sowie Flut­sand in den Schu­hen.

Die nächs­te Vor­stel­lung fin­det am 15. August 2018 um 20 Uhr statt.

 

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